Deutscher Export
Konjunkturflaute in Schwellenländern belastet Deutschlands Exporteure

Hochbetrieb in deutschen Frachthäfen wie hier in Hamburg: Der schwache Euro und die Konjunkturerholung in Europa halten die Exportwirtschaft auf Rekordkurs. Archivbild: dpa

Die Konjunkturflaute in den Schwellenländern belastet zunehmend Deutschlands Exporteure. Dank der steigenden Nachfrage aus den EU-Ländern und den USA steuern sie trotzdem auf ein Spitzenjahr zu.

Wiesbaden. Der schwache Euro und die Konjunkturerholung in Europa halten die deutsche Exportwirtschaft auf Rekordkurs - jedoch bremst die Flaute in Schwellenländern wie China die Ausfuhren immer stärker. Das Exportplus schrumpft seit Monaten stetig, in diesem Jahr war es bisher nur im Januar kleiner. "Nach einem Sommerhoch startet der Außenhandel eher verhalten in das Schlussquartal 2015", sagte Anton F. Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA.

Importe legen zu


Insgesamt stiegen die Ausfuhren im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent auf 106,2 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Die Importe legten binnen Jahresfrist um 3,0 Prozent auf 83,8 Milliarden Euro zu. Gegenüber dem September gingen die Ausfuhren nach einem starken Vormonat jedoch wieder um 1,2 Prozent zurück, die Einfuhren sanken kalender- und saisonbereinigt um 3,4 Prozent. Bankvolkswirte hatten mit kleineren Rückgängen von 0,6 Prozent bei den Exporten und von 1,0 Prozent bei den Importen gerechnet.

"Die schwache Entwicklung der Warenausfuhr im Oktober nach der kurzfristigen Erholung im Vormonat hat tendenziell gezeigt, dass die Konjunkturschwäche in den Schwellenländern weiterhin Wirkung zeigt", sagte Ökonom Stefan Kipar von der Bayern-LB.

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, sieht gar einen "Herbst-Blues" beim Außenhandel: "Die recht dynamische Entwicklung der Ex- und Importe hat in der zweiten Jahreshälfte einen Dämpfer erhalten." Die Entwicklung laufe parallel zur schwachen Konjunktur in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Allerdings betonte Zeuner: "In diesen Ländern ist 2016 geringfügige Besserung in Sicht. Die jüngeren Daten zu den außereuropäischen Auftragseingängen deuten bereits eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland an."

In der Summe läuft das Auslandsgeschäft der deutschen Wirtschaft aber trotz aller Probleme nach wie vor noch rund. Nach dem Rekordjahr 2014 sind die Ausfuhren in den ersten zehn Monaten 2015 nochmals um 6,6 Prozent gestiegen. In seiner am Mittwoch vorgelegten Konjunkturprognose sagte das Münchner Ifo-Institut ein Exportplus von 5,6 Prozent in diesem und von 4,4 Prozent im kommenden Jahr voraus.

Hoffen auf Aufwärtstrend


Haupttreiber im Oktober waren erneut vor allem diejenigen EU-Länder, die wie Großbritannien oder Polen nicht der Euro-Zone angehören: Auch dank der Euro-Schwäche, die ins Nicht-Euro-Ausland exportierte Waren billiger macht, kletterten die Ausfuhren in diese Staaten im Jahresvergleich um 7,4 Prozent. Aber auch die Exporte in den Euro-Währungsraum lagen mit plus 5,8 Prozent deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Das nähre angesichts der fortschreitenden Konjunkturerholung in der Währungsunion die Hoffnung, dass der Export in den kommenden Quartalen trotz des Bremseffektes aus den Schwellenländern aufwärtsgerichtet bleiben dürfte, sagte Kipar.

Hingegen gingen die Lieferungen in Länder außerhalb der EU im Oktober um 0,9 Prozent zurück. Damit kann die steigende US-Nachfrage nach Waren "made in Germany" den Rückgang aus China oder auch aus Russland nicht mehr kompensieren.
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