DGB fordert Schutz vor Risiken durch digitale Arbeit
Mithalten mit Computer und Chips

Hoher Arbeitsdruck, ständige Erreichbarkeit und intelligente Maschinen - können die Arbeitnehmer mit Computern und Chips mithalten? Die Gewerkschaften fordern Regeln zum Schutz der Menschen. Archivbild: dpa

Berlin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Politik aufgefordert, Risiken für die Gesundheit durch digitale Arbeit einzudämmen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt könne zwar für Entlastungen bei körperlicher Arbeit genutzt werden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Es besteht aber die Gefahr, dass psychische Belastungen weiter zunehmen", sagte Buntenbach.

Denn Arbeitstempo und Leistungsdruck könnten steigen, die Möglichkeiten zur Kontrolle von Beschäftigten würden einfacher, und die Zusammenarbeit mit smarten Maschinen könne zu Überforderungen führen, sagte Buntenbach. "Auch entgrenzte Arbeitszeiten können in psychische Belastungen münden."

Buntenbach sagte: "Das A und O ist, dass Beschäftigte an der Gestaltung digitaler Arbeit beteiligt sind und mitbestimmen können." Das gelte für neue technische Systeme, Datenschutz und die Nutzung neuer Flexibilitätsspielräume. "Beschäftigte brauchen mehr Arbeitszeitsouveränität, auch um Arbeitsverdichtung und Stress zu vermeiden", so Buntenbach. Das betreffe die Frage, wann gearbeitet werde und ob Ziele realistisch zu erreichen seien. "Deshalb braucht die Digitalisierung der Arbeit auch einen politischen Gestaltungsrahmen, der neue Freiheiten ermöglicht und gleichzeitig ausreichend Schutz für die Gesundheit bietet", forderte Buntenbach.

Einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie der Universität St. Gallen zufolge können Digitalisierung und ständige Erreichbarkeit das Familienleben und die Gesundheit stark belasten. Jeder vierte Arbeitnehmer fühlt demnach sein Privat- und Familienleben durch seine Arbeitsanforderungen beeinträchtigt. Bei Menschen, die nach eigenen Angaben unter Digitalisierung leiden, sind es 39 Prozent. Digitalisierung berge auch Risiken für Leiden wie Burnout oder Kopfschmerzen, sagte Studienleiter Stephan Böhm. Digitalisierung sei kein Schreckgespenst, könne aber etwa emotionale Erschöpfung deutlich steigern. Die Studie entstand im Auftrag der Krankenkasse Barmer GEK in Kooperation mit der Zeitung "Bild am Sonntag". Viele vor allem Jüngere sehen neue Techniken im Job aber auch positiv.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will im November ein Weißbuch zum Thema Arbeiten 4.0 vorlegen, also zum Arbeiten in der Digital-Ära. Geplant sind unter anderem Vorschläge zu Gestaltung der Arbeitszeit.
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