Die Arbeit der Stiftung Warentest
Sägen im Namen des Verbrauchers

In einem Prüflabor für die Stiftung Warentest in Sachsen wird eine Heckenschere getestet. Seit 50 Jahren begutachtet die Stiftung Produkte aus Sicht der Verbraucher. Bilder: Espen Eichhöfer

Seit 50 Jahren nehmen die Prüfer der Stiftung Warentest Produkte genau unter die Lupe. Dafür werden weltweit 130 Prüfinstitute beauftragt, von denen eines im Großraum Chemnitz Rasenmäher, Stabmixer oder auch Backöfen auf Herz und Nieren prüft.

Chemnitz. Unter lautem Getöse laufen acht Millimeter dicke Buchenstäbe kreisförmig um einen Prüfstand. Sechs Heckenscheren machen mit der simulierten Hecke kurzen Prozess. 66 Stunden Schwerstarbeit müssen sie für die Dauerprüfung der Stiftung Warentest leisten. "Die Stäbe wurden zuvor eingeweicht, damit sie so biegsam sind wie eine echte Hecke. Wir sind hier sehr nah an der Praxis dran", sagt ein Prüfer. Dank der Automatisierung müsse er nur immer wieder etwas "Hecke" nachfüllen.

Da haben es die Kollegen zwei Türen weiter bedeutend schwerer. Denn bei den Stichsägen ist noch zeitaufwendige Handarbeit angesagt. Allein der Dauertest währt fünf Stunden. Mit einer Säge werden 600 Meter Holz geschnitten - per Hand. "Zehn Minuten sägen, zehn Minuten Pause, dann wieder zehn Minuten sägen und so weiter", beschreibt ein Mitarbeiter das aufwendige Verfahren. 20 Geräte komplett zu testen dauere rund drei Monate.

Von der Pfanne über die Schlagbohrmaschine bis hin zum Staubsauger wird in diesem Prüflabor der Stiftung Warentest im Großraum Chemnitz so ziemlich alles getestet, was der Markt hergibt. Wo genau das Institut seinen Sitz hat, muss geheim bleiben - man fürchtet Einflussnahme seitens der Hersteller.

Aufträge aus der Industrie


Die Aufträge der Warentester machten nur 10 bis 20 Prozent der Aufträge des Prüfunternehmens mit seinen 150 Mitarbeitern aus, wie der Geschäftsführer bei einem Rundgang erklärt. Die übrigen Prüfaufträge kommen aus der Industrie. Bei entsprechendem Wissen um die Prüfungen für die Stiftung könnten die Anbieter Druck auf die Tester ausüben. Auch zeitgleiche Tests seien daher verboten. Dabei sind schon die Unterschiede zwischen den vorgeschriebenen EU-Normen und der Praxistauglichkeit riesig. Bestes Beispiel dafür sei die Energieeffizienz bei Kühlschränken, erläutert der Unternehmenschef.

Die Hersteller testeten ihre Geräte ohne Inhalt und bei geschlossener Tür. "Das ist aber natürlich wenig alltagstauglich", bemerkt einer der Tester. Bei der Überprüfung für die Stiftung Warentest dient eine wabbelige senfgelbe Masse als Rindfleisch-Imitat, das in unterschiedlich großen Portionen in den Kühlschrank kommt. "Dann simulieren wir zum Beispiel das Einräumen eines großen Wocheneinkaufs" - also Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu. Die Differenzen zwischen den Ergebnissen der Normprüfungen der Hersteller und der praxisnahen Testergebnisse im Namen der Verbraucher seien mitunter beachtlich. "Das ist allerdings keine Schummelei", betont Heike van Laak, Pressesprecherin der Stiftung Warentest. Die Hersteller nutzten lediglich ihre Spielräume. So staubsaugen die Tester für die Industrie mit leerem, für die Stiftung jedoch auch mit gefülltem Staubbeutel. "Natürlich sind die Normen oft weit weg von der Praxis. Dennoch brauchen wir sie, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten", erklärt ein auf Staubsauger spezialisierter Mitarbeiter. Rund einen Arbeitstag benötige er im Schnitt, um ein Gerät zu testen.

Etwa 110 Warentests nimmt die Stiftung, die 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestages gegründet wurde, jedes Jahr in Angriff. 37 500 Produkte werden dafür in weltweit 130 Prüfinstituten getestet. Zwischen sechs und acht Monaten vergehen vom Startschuss einer Testreihe bis zur Publikation in der Zeitschrift "Test", die derzeit eine Auflage von 421 000 Exemplaren hat.

Geräte werden versteigert


Immer häufiger stellen die Tester ihr Vorgehen aber auch um, erzählt Sprecherin van Laak. Gerade bei Technik wie Smartphones oder Kameras sei der Markt schneller als die Tester. "Also testen wir zum Beispiel ein neues I-Phone, sobald es auf den Markt kommt." Die Ergebnisse werden dann in eine von 31 Produktdatenbanken eingespeist und zeitnah als Positivauswahl - beispielsweise die 20 besten Spiegelreflexkameras zum Start der Sommerferien - zuerst im Internet und dann in "Test" veröffentlicht.

Ein großer Teil der ausgedienten Testgeräte landet nicht im Müll. Was noch funktioniert, wird an vier Terminen im Jahr in Berlin versteigert - das nächste Mal am 25. Juni.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.