Die Flut des Geldes

Die EZB erwirbt unter anderem Papiere von Euro-Ländern mit guter Bonität. Staatsanleihen, die von Ratingagenturen als Ramsch gewertet werden, sind außen vor - es sei denn, das Land befindet sich in einem EU-Sanierungsprogramm und erfüllt alle Auflagen. Archivbild: dpa

Seit einem Monat flutet die EZB die Märkte mit unglaublich viel Geld: Das soll die Konjunktur ankurbeln. Doch die Wirkung ist bislang bescheiden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis September 2016 Staatsanleihen und andere Wertpapiere für insgesamt 1,1 Billionen Euro kaufen. Die ersten vier Wochen liefen weitgehend nach Plan: Bis zum 3. April erwarb die EZB öffentliche Anleihen im Wert von 52,52 Milliarden Euro. Zudem stieg das Volumen gekaufter Pfandbriefe sowie von forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) wie erwartet an.

Welche Ziele verfolgt die EZB mit ihren Anleihenkäufen?

In erster Linie wollen die Notenbanker den Preisauftrieb im Euro-Raum anheizen. Es gilt, eine Deflation - also einen anhaltenden Preisrückgang quer durch die Warengruppen - zu verhindern. Denn das könnte dazu führen, dass Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen in Erwartung weiterer Preissenkungen verschieben und die Wirtschaft erlahmt.

Wie soll das Kaufprogramm funktionieren?

Die EZB kauft Wertpapiere bei Banken oder Versicherern. So wird Geld ins Finanzsystem geschleust. Die EZB erwartet, dass das Programm Unternehmen und Verbrauchern helfen wird, leichter Zugang zu Krediten zu erhalten. Das soll die Investitionstätigkeit steigern, Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum insgesamt stützen.

Wirkt die Geldflut bereits?

EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass sich die Konjunkturaussichten unter anderem dank der expansiven Geldpolitik - aber auch wegen des billigen Öls und der steigenden Nachfrage aus dem Ausland - bereits aufgehellt hätten. Auch die Inflationsrate werde allmählich steigen. Zudem würden die niedrigen Zinsen zunehmend von den Banken an Kreditnehmer weitergereicht.

Wie reagiert der Euro?

Der Euro hat zum Dollar an Wert verloren. Dadurch werden Produkte "Made in Germany" in Dollar auf den Weltmärkten billiger. Das kann die Konjunktur anschieben. Nach einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes ist der Effekt überschaubar: "Da sich die Margen der Unternehmen auf einem Zehnjahrestief befinden, erhöhen viele Firmen vermutlich eher die Verkaufspreise, als den verbilligenden Effekt des Euro zu nutzen", sagt Euler-Hermes-Chefökonom Ludovic Subran. Für Verbraucher begrenzt der schwache Euro jedoch die Effekte gesunkener Ölpreise, weil Rohöl und Benzin international in Dollar gehandelt werden. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise warnt: "Es geht Einkommen verloren. Mit der Zeit merken das alle, indem die ganze Palette der Importgüter teurer werden, von Smartphones bis zur Energie."

Was sagen Kritiker?

Die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger bezweifelt, dass die konjunkturellen Effekte des Kaufprogramms die gewünschte Größenordnung erreichen können: "Die Erfahrungen der USA zeigen, dass Käufe von Staatsanleihen umso stärker wirken, je höher die betreffenden Renditen sind." Doch auf dem Anleihemarkt im Euro-Raum seien die langfristigen Renditen schon vor Beginn des Programms niedrig gewesen. Zudem sieht sie einen Nachteil des Programms darin, dass sich die Finanzminister billig verschulden können. Notwendige Reformen könnten deshalb ausbleiben.

Müssen sich Sparer auf noch niedrigere Zinsen einstellen?

Auf die Zinsen auf Sparbuch und Co. wirken sich die Anleihekäufe nicht aus. Die Renditen auf Staatsbonds wie Bundesanleihen dürften durch die Käufe allerdings weiter nach unten gedrückt werden. Das trifft Besitzer von Anleihen oder Anleger, die Geld in Anleihenfonds investiert haben. Auch das Geld der Lebensversicherer steckt vor allem in Staatsanleihen. Gewinner sind Aktionäre, aber auch der Staat: Weil die EZB die Nachfrage nach Schuldpapieren erhöht, kann sich auch Deutschland noch günstiger Geld am Kapitalmarkt besorgen.
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