Die Strompreis-Schere

Keine BU aus Foto-Import

Privatleute und Gewerbetreibende haben schon immer mehr für Strom bezahlt als Großkunden. Doch seit Jahren öffnet sich die Preisschere immer weiter.

Privatleute kennen beim Strompreis seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Seit 2000 hat sich der Preis für sie nahezu verdoppelt, berichtet das Statistische Bundesamt. Seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 wachsen die Stromkosten für die privaten Haushalte und kleine Unternehmen schneller als für Großverbraucher. Während die Unternehmen auf Ausnahmeregeln vertrauen und sich selbst am liberalisierten Strommarkt versorgen können, kämen bei vielen Privatkunden noch nicht einmal die gesunkenen Kosten bei der Stromerzeugung an, klagen Verbraucherschützer.

Steuerlast und Umlagen

Preistreiber seit dem Jahr 2000 waren vor allem höhere Steuern und Umlagen, stellten auch die Statistiker fest. 29,13 Cent zahlt ein Durchschnittshaushalt mittlerweile für eine Kilowattstunde Strom, hat der Energiebranchenverband BDEW berechnet. Nur ein Viertel, nämlich 7,3 Cent, gehen für Stromeinkauf und Vertrieb drauf. Der Rest sind Netzentgelte sowie 52,4 Prozent Steuern, Abgaben und Umlagen. Auf dieser Seite ist die Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) mit 6,24 Cent noch vor der Mehrwertsteuer (4,65 Cent) der größte Kostenblock. Vor allem Bürger, Gewerbe und Mittelstand zahlen über die EEG-Umlage die Kosten der Energiewende, garantieren Windradbetreibern sowie Solar- und Biomassebauern über Jahrzehnte gute Renditen und müssen zudem den Netzausbau finanzieren. Mit dem Argument der Arbeitsplatz- und Standortsicherung wird die Industrie entlastet, die für ihren Strom von vornherein nur etwa die Hälfte des Privatpreises zahlt. Zwar wird nur jeder 25. Industriebetrieb von der Ökostrom-Umlage befreit. Auf mehr als die Hälfte des verbrauchten Industriestroms erhalten Unternehmen aber hohe Rabatte.

Liberalisierung verpufft

Für die Privatkunden hat die Liberalisierung des Strommarktes bislang keine Preissenkungen gebracht. Zwar tummeln sich mehr als 1000 Unternehmen im Endkundengeschäft, doch Ökostromabgabe und Netzentgelte lassen die Preise weiter steigen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat den Unternehmen vorgeworfen, die beträchtlich gesunkenen Einkaufspreise nicht an ihre Kundschaft weiterzugeben. In krassen Fällen sollen nun die Kartellbehörden eingeschaltet werden.
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