Diesel-Skandal lange Belastung für Autobauer
Abgas-Skandal hält VW unter Hochdruck

Vorhang auf: VW-Chef Matthias Müller geht nach einer Pause bei der Bilanzpressekonferenz durch einen Vorhang. Bild: dpa

Der Diesel-Skandal dürfte Volkswagen noch lange belasten. Während die Aufarbeitung der schwersten Krise in der Firmengeschichte weitergeht, muss sich Deutschlands größter Konzern schon für die nicht minder schwierige Zukunft rüsten. Gelingt die Gratwanderung?

Wolfsburg. Volkswagen kämpft weiter mit dem massiven Flurschaden der Abgas-Affäre und muss zugleich den tiefgreifenden Umbruch in der Branche stemmen. Der Skandal um weltweit rund elf Millionen manipulierte Fahrzeuge wird noch länger aufgearbeitet. Doch parallel dazu will Europas größter Autobauer seine Zukunft bei wichtigen Themen wie Elektromobilität, Digitalisierung und neuen Dienstleistungen sichern.

Weil sich die Umrüstung des Passat weiter verzögert, zieht VW das Massenmodell Golf ab 3. Mai vor, wie Markenchef Herbert Diess bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Wolfsburg sagte. Der Golf-Rückruf gilt zunächst für 15 000 Wagen mit Schaltgetriebe und 2,0-Liter-Motor. Für die gesamte Werkstattaktion auch anderer Modelle schließt Konzernchef Matthias Müller inzwischen eine Dauer über das Jahresende hinaus nicht mehr aus.

Neuausrichtung nötig


Wegen des Abgas-Skandals hatte VW einen Finanzpuffer von 16,2 Milliarden Euro gebildet, der 2015 unterm Strich einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro brachte. "Ob da weitere Beträge dazu kommen, wissen wir nicht", sagte Müller. In dem Konzern wächst zudem der Druck, trotz eines verschärften Sparkurses mehr Mittel in die Neuausrichtung zu stecken. Die Autobranche erlebt mit der steigenden Vernetzung riesige Umwälzungen. "Wir unterhalten uns nicht mit Apple und Google", stellte Müller zu möglichen Kooperationen mit den US-Internet-Riesen klar. Mit wem nun zusammengearbeitet werde, wollte er nicht verraten.

Finanzchef Frank Witter räumte ein, dies sei eine herausfordernde Strategie: "Wir sehen steigenden Bedarf in Investitionen in neue Antriebs- und Mobilitätskonzepte, Urbanisierung und Digitalisierung. Gleichzeitig sehen wir aber auch die Notwendigkeit, die Investitionen nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zum Umsatz zu senken." Dazu gehört auch der Umwelt- und Klimaschutz. Im Ringen um eine Einigung mit den US-Behörden rechnet VW mit Milliardenkosten vor allem für Umweltprojekte. Dafür veranschlagt der Konzern rund 1,8 Milliarden Euro. In den USA ermitteln die Justizbehörden gegen VW. Beim Besuch von Präsident Barack Obama am vorigen Wochenende in Hannover habe er sich für den Diesel-Skandal entschuldigt, berichtete Müller. Dabei habe er Obama darauf hingewiesen, dass er auch im Interesse der Mitarbeiter und ihrer Familien alles für eine Lösung tun werde.

Renschler Spitzenverdiener


Die Gehälter der VW-Vorstände sind infolge von "Dieselgate" für 2015 deutlich geringer ausgefallen als zuvor. Im Geschäftsbericht stehen Gesamtbezüge von mehr als 60 Millionen Euro. Die derzeitigen Vorstände hatten sich bereiterklärt, einen Teil des Anspruchs auf die Bonuszahlungen zurückzustellen. Etwa 30 Prozent der variablen Vergütung werden in Aktien umgewandelt und geparkt. Ex-Chef Martin Winterkorn muss finanziell Federn lassen. Der zurückgetretene Manager, dessen Vertrag noch bis Ende 2016 weiterläuft, erhält für das vorige Jahr 7,3 Millionen Euro. 2014 hatte Winterkorn noch fast 16 Millionen Euro kassiert. Das Gehaltsminus liegt vor allem an der gesunkenen mehrjährigen variablen Vergütung, die Teil des Vorstands-Salärs ist. Neuer Spitzenverdiener im Volkswagen-Vorstand ist nun Andreas Renschler, Chef der schweren Nutzfahrzeuge, mit knapp 15 Millionen Euro.
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