"Dieselgate": Der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller bereitet die Mitarbeiter auf schwere ...
"Nicht ohne Schmerzen"

Viele VW-Mitarbeiter trugen bei der Betriebsversammlung Mutmacher-T-Shirts mit dem Aufdruck "Ein Team. Eine Familie". Bild: dpa
 
VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh sprach bei der Betriebsversammlung der Volkswagen AG in Wolfsburg vor mehreren Tausend Mitarbeitern. "Derzeit, das ist die gute Nachricht, gibt es noch keine Konsequenzen für Arbeitsplätze", erklärte er. Bild: Roland Niepaul⁄Volkswagen AG⁄dpa

Bei den Volkswagen- Mitarbeitern hat die Angst um den Job die Oberhand gewonnen. Der neue Chef macht ihnen Mut - und stimmt sie gleichzeitig auf schwere Zeiten ein.

Volkswagen stellt aus Angst vor nicht absehbaren Milliardenschäden wegen des Abgasskandals bereits eingeplante Investitionen wieder auf den Prüfstand. "Klar ist: Unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung kommen massiv unter Druck", sagte der neue Vorstandschef Matthias Müller am Dienstag laut Redemanuskript bei einer nicht-öffentlichen Betriebsversammlung im VW-Stammwerk in Wolfsburg.

"Erhebliche Strafzahlungen"

Während die technischen Lösungen zur Beseitigung der Abgas-Manipulationen in Sicht seien, könne man die geschäftlichen und finanziellen Folgen noch nicht absehen, betonte Müller. "Sicher ist: Die Belastungen werden groß sein. Möglicherweise sehr groß." Zwar habe Volkswagen in einem ersten Schritt im dritten Quartal bereits 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt - darin seien die erwarteten Kosten für die Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge enthalten. "Aber das wird nicht reichen", meinte Müller. "Wir müssen mit erheblichen Strafzahlungen rechnen. Und viele könnten die Vorgänge zum Anlass nehmen, Schadenersatz gegen Volkswagen geltend zu machen." Um die drohenden Kosten überhaupt stemmen zu können, würden alle geplanten Investitionen noch einmal geprüft. "Was jetzt nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", erklärte Müller vor den rund 22 000 Beschäftigten.

Auch beruhigende Worte

Müller stellte die etwa 600 000 Mitarbeiter rund um den Erdball auf schwierige Zeiten ein. "Ich bin ganz offen zu Ihnen: Das alles wird nicht ohne Schmerzen gehen. Das ist klar." Mit Blick auf die Arbeitsplätze betonte er: "Wir wissen heute zwar noch nicht, welche Auswirkungen die Krise haben wird. Aber wir werden dafür kämpfen, sie so gering wie möglich zu halten. Und wir werden alles tun, um die Beschäftigung im Unternehmen zu halten."

Vor Müller hatte bereits Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh versucht, den wegen der Abgas-Krise massiv verunsicherten Mitarbeitern Mut zu machen. "Derzeit, das ist die gute Nachricht, gibt es noch keine Konsequenzen für Arbeitsplätze", erklärte er. Dies gelte sowohl für die Stammbelegschaft als auch für Leiharbeiter. Zudem könnten die VW-Mitarbeiter trotz der Affäre weiter auf ihre übliche Bonuszahlung hoffen. Weltweit sind bei VW rund 600 000 Menschen beschäftigt, davon etwa 72 500 in der Wolfsburger Zentrale. Mehr als 830 000 Fahrzeuge laufen hier pro Jahr vom Band.

Im Januar will Volkswagen den Rückruf der betroffenen Autos starten. "Bis Ende 2016 sollen dann alle Autos in Ordnung sein", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". VW müsse die "jeweilige Lösung" auf jedes Modell abstimmen und die notwendigen Teile bestellen. "Wenn alles läuft wie geplant, können wir im Januar den Rückruf starten." Zu den Nachbesserungen der Fahrzeuge sagte Müller, es gehe um den Motor EA 189 in Kombination mit verschiedenen Getrieben und diversen länderspezifischen Auslegungen. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern Tausende." Für die meisten Motoren genüge ein Update der Software in der lokalen Werkstatt. Manche Fahrzeuge aber könnten neue Injektoren und Katalysatoren brauchen.
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