Discounter als Weinhändler

Der Supermarkt in der Region wird immer mehr zu einer attraktiven Vermarktungsoption für die heimischen Weingüter. Bild: dpa

Jede siebte Flasche deutscher Wein wird inzwischen im Supermarkt gekauft. Die Verbraucher greifen dabei auch zu etwas höherpreisigen Tropfen. Auch deshalb ist die Stimmung in der Branche gut.

Joghurt, Spüli, Küchenpapier - und eine Flasche Riesling. Die Supermärkte spielen beim Verkauf deutscher Weine eine zunehmend größere Rolle. Der klassische Lebensmitteleinzelhandel (Ladengröße unter 5000 Quadratmeter) konnte seinen Marktanteil seit 2012 von zehn auf 14 Prozentpunkte steigern, wie das Deutsche Weininstitut (DWI) mitteilte. Allein im vergangenen Jahr legte diese Vertriebsschiene im Vergleich zu 2013 bei Absatz und Umsatz mit deutschen Weinen um jeweils fünf Prozent zu.

Kein Wunder, dass Supermärkte ihr Sortiment an regionalen und höherwertigen Weinen aus heimischen Anbaugebieten ausgebaut haben. Einige Winzer haben Kundschaft an Rewe, Edeka und Co. verloren. Allerdings vermarkten auch viele Weingüter ihre Flaschen über Supermarkt-Regale in der Region. Unangefochten größter Händler für deutsche Weine sind weiter die Discounter mit 36 Prozent, die Erzeuger erzielten 2014 einen Marktanteil von 29 Prozent. SB-Warenhäuser (Ladengröße mehr als 5000 Quadratmeter) bekamen 10 Prozent, der Fachhandel 7. Das Marktvolumen beläuft sich auf geschätzte 3,2 Milliarden Euro im Jahr.

Die Verbraucher kauften etwas mehr in den höheren Preissegmenten ein, sagte die DWI-Geschäftsführerin Monika Reule vor dem Start der internationalen Weinmesse ProWein (ab 15. März). Der Durchschnittspreis für einen Liter Wein im Lebensmittelhandel - Herkunft egal - sei seit 2010 von 2,52 Euro auf 2,89 Euro 2014 gestiegen. Dabei stehen heimische Tropfen gut da: 2014 war der Liter im Lebensmittelhandel im Schnitt 3,11 Euro wert, im Fachhandel und beim Erzeuger 6,24 Euro.

"Der Weinmarkt ist insgesamt dadurch geprägt, dass wir Produkte haben von sehr unterschiedlicher Qualität", sagte der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes, Rudolf Nickenig. Das gehe vom einfachen Tropfen bis hin zu einer hochpreisigen "Spezialität". Es müsse also ein sehr breites Spektrum von Konsumenten bedient werden.

Erfolgsrezept Authentizität

Auch Soziologen haben sich schon mit der Frage beschäftigt, warum manche Flaschen im Supermarkt nur wenige Euro kosten, andere auf Auktionen hohe Preise erzielen. "Dabei schmecken die meisten Konsumenten kaum Unterschiede", sagte Jörg Rössel von der Universität Zürich, der die Preisbildung untersuchte. "Dinge, die in Richtung Authentizität gehen, spielen eine große Rolle." Könnten Winzer ihre Kunden von der Originalität ihrer Weine überzeugen, erzielten sie höhere Preise. Die Branche steckt laut Nickenig in Strukturveränderungen: Viele junge Leute mit großem Schwung, oft Quereinsteiger, starteten in den Winzerberuf. Auch die Zyklen bei Geschmackstrends sind kürzer geworden. Auf viele Trends würde noch im Keller reagiert und der Wein in der Gärung unterschiedlich ausgebaut.
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