Discounter mischen Markt für Frischfisch auf

Ein Red Snapper (oben) und zwei Doraden liegen auf der Messe "Fish International" in Bremen in der Auslage eines Ausstellers. Archivbild: dpa

Aldi, Lidl und Co. bieten inzwischen in ihren Läden frischen Fisch an. Das verändert den Markt und könnte auf Dauer auch den Fischkonsum der Bürger steigern.

Bei der Frage "Fisch oder Fleisch" fällt die Antwort der Verbraucher in Deutschland recht eindeutig aus. Mit rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr liegt der Fleischverzehr noch immer gut viermal so hoch wie der Fischkonsum. Doch während der Fleischverbrauch rückläufig ist, ist der Fischkonsum im vergangenen Jahr erstmals wieder gestiegen - wenn auch "nur" auf 14 Kilogramm. Einen Teil des Verdienstes für die wachsende Beliebtheit von Fisch können wohl die deutschen Discounter für sich beanspruchen.

Marktanteil ausgebaut

Denn Aldi, Lidl und Co. sind dabei, den Markt für Frischfisch aufzumischen. War noch vor nicht allzu langer Zeit frischer Fisch vor allem in Fachgeschäften, auf Wochenmärkten und an den Fischtheken größerer Supermärkte zu bekommen, so reicht jetzt in aller Regel der Gang zum Discounter nebenan. Denn die Billiganbieter machten in den vergangenen Jahren gekühlten und unter Schutzatmosphäre verpackten Lachs oder Kabeljau zum festen Bestandteil des Angebots in ihren Kühltruhen. Die Folge: 2014 erhöhten die Billiganbieter ihren Marktanteil bei Frischfisch nach Angaben des Hamburger Fisch-Informationszentrums auf 25 Prozent und verdrängten damit den Fachhandel vom zweiten Platz in der Verkaufsstatistik. Nur Verbraucher- und Supermärkte brachten zusammen noch mehr Fisch unters Volk. Für die Discounter ist das Fischangebot doppelt lukrativ. Zum einen liegen die Preise und damit wohl auch die Gewinnspannen beim Frischfisch über denen bei Tiefkühlfisch. Zum anderen können die Discounter mit dem Produkt ihren Qualitätsanspruch unterstreichen.

Das lässt die deutschen Supermarktketten nicht kalt. Auch Rewe bietet inzwischen in mehr als 1000 seiner rund 3500 Rewe-Märkte Frischfisch als SB-Angebot in der Kühltruhe an. Edeka verweist vor allem auf die Fischtheken in rund 2000 der 7500 Filialen des größten deutschen Lebensmittelhändlers. Sie böten im Vergleich zu den Discountern eine große Sortimentsvielfalt und fachkundige Beratung. Wie viele Edeka-Kaufleute darüber hinaus SB-Frischfisch in ihren Kühltheken haben, ließ das Unternehmen offen. Die wachsende Lust der Bundesbürger auf Frischfisch sorgt aber auch an anderer Stelle für Bewegung auf dem Markt. Die deutsche PHW-Gruppe - bisher vor allem als Deutschlands größter Geflügelvermarkter mit der Marke Wiesenhof bekannt - will künftig unter dem Namen Windrose auch Frischfisch vermarkten. Dazu plant das Unternehmen ein Joint Venture mit der isländischen Samherji-Gruppe, das die Kompetenzen beider Partner in den Bereichen Fischverarbeitung und Frischelogistik kombinieren soll.

Frischer Wind für Branche

Auch bei der Deutsche See Fischmanufaktur in Bremerhaven, nach eigenen Angaben Deutschlands Frisch-Fisch-Marktführer, beobachtet man den Siegeszug der Discounter. Zwar findet die Qualität der SB-Fische in den Discounter-Kühltruhen nicht immer Gnade vor den Augen des Deutsche-See-Geschäftsführers Egbert Miebach. Dennoch fällt das Urteil des Experten über den gegenwärtigen Umbruch positiv aus. "Das wird die ganze Kategorie Fisch beflügeln", ist Miebach überzeugt.
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