Discounter unter Druck

Im Lebensmittelhandel ist ein neuer Preiskampf ausgebrochen. Markenprodukte sind heute in vielen Läden deutlich billiger zu kaufen, als noch vor wenigen Wochen. Bild: dpa

Mit aggressiven Rotstiftaktionen wirbeln Deutschlands größte Discounter Aldi und Lidl die Preise bei Markenartikeln durcheinander. Die gute Nachricht für die Verbraucher: Ein Ende des Preiskampfs ist nicht in Sicht.

Im deutschen Lebensmittelhandel ist ein neuer Preiskampf ausgebrochen. Markenprodukte vom Energy-Drink Red Bull über Lenor Weichspüler und Funny Frisch Kartoffel-Chips bis zu o.b. Tampons sind in vielen Läden deutlich billiger zu kaufen, als noch vor einigen Wochen. Ursache ist ein neuer Preiskampf zwischen Aldi und Lidl. Ein Ende des Preiskriegs ist laut Experten nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Der Konflikt zwischen Aldi und Lidl verschärft sich, weil Aldi jetzt immer mehr Markenprodukte anbietet. Bislang war das die Domäne von Lidl. Jetzt macht Aldi dem Rivalen hier mit Kampfpreisen Konkurrenz", erläutert Denise Klug vom Handelsanalysten Planet Retail die Hintergründe der Auseinandersetzung.

Bisher jeder seine Nische

Tatsächlich ist die über lange Jahre gepflegte Rollenverteilung zwischen den Discountern ins Wanken geraten. Mit seinen preisgünstigen Eigenmarken stand Aldi lange Zeit für billigen Einkauf in guter Qualität. Lidl hob sich vom Konkurrenten durch sein Angebot an günstigen Markenartikeln ab. Damit konnten beide gut leben. Doch seit auch bei Aldi immer häufiger Markenartikel in den Regalen zu finden sind, ist es vorbei mit dem Burgfrieden. Lidl scheint entschlossen, "sein" angestammtes Territorium zu verteidigen. So kommt eine teilweise atemberaubende Preisspirale in Gang. Wie bei Red Bull. Als Aldi im Frühjahr die Marke in die Regale stellte, ließ der Wettbewerb zwischen den Discountern den Preise für die 0,25 Liter-Dose innerhalb kürzester Zeit von 1,49 Euro auf heute 95 Cent schrumpfen. Nur eines der Beispiele. Das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung" sprach von einem "regelrechten Erdbeben", das die Markenlistungen ausgelöst hätten.

"Aldi hat gemerkt, dass er auf der Marken-Ebene Gas geben muss, um sein Preis-Image zu verteidigen", urteilt der Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK). Lange Zeit habe der Discounter vor allem auf Preissenkungen bei seinen Handelsmarken gesetzt. Aber das habe offenbar zuletzt nicht ausgereicht, um das Preis-Image wie gewollt zu schärfen.

Als Aldi zum Beispiel erstmals Coca-Cola verkaufte, verzichtete er noch auf Kampfpreise. "Aber das hat sich für Aldi nicht ausgezahlt, denn die Konkurrenz hat den Discounter danach mit Sonderangeboten vorgeführt. Das hat dem Image nicht gut getan", sagt Denise Klug. Auch deshalb trete der Discounter aggressiver auf. Aber Lidl und die anderen würden das nicht einfach hinnehmen. "Alle sind auf Krawall gebürstet."

Doch können auch noch andere Überlegungen die Preissenkungen beflügelt haben: Die Discounter hoffen, so auch Supermarktketten wie Edeka oder Rewe Kunden abspenstig machen zu können. Denn laut GFK-Studie haben die Billiganbieter 2015 spürbar Marktanteile an die "klassischen Supermärkte" verloren.
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