Doppelte Zugkraft

Eine Flotte von CRH380-Hochgeschwindigkeitszügen in einer Instandsetzungsanlage im chinesischen Wuhan. Die beiden größten Zugbauer des Landes, CNR und CSR, fusionieren. Archivbild: dpa

Mit einer Mega-Fusion bündeln die beiden größten chinesischen Zugbauer CNR und CSR ihre Kräfte zum weltgrößten Bahnhersteller, der Siemens und Co. die Stirn bieten soll. Und das ist nur der Anfang.

(dpa) Der Gigant aus dem Reich der Mitte bietet nicht nur kostengünstige Technik, sondern liefert mit Hilfe des Staates auch die nötigen Finanzierungspakete dazu. Zuletzt hatte Chinas Regierungschef Li Keqiang beim Gipfel der ost- und südosteuropäischen Länder Mitte Dezember in Belgrad für die chinesische Eisenbahn geworben - wie zuvor bei anderen Auslandsreisen. Überall stehen Kredite bereit. Auch in Südostasien, Afrika und Lateinamerika ist die chinesische Bahnindustrie aktiv.

Eisenbahnverbindungen mit chinesischer Technik, Finanzierung und Ingenieurskunst sind wichtige Elemente der neuen chinesischen Gelddiplomatie, mit Milliarden-Krediten im Ausland neue Infrastrukturvorhaben oder Wirtschaftskorridore wie die "neue Seidenstraße" von China nach Europa voranzubringen. Die Fusion der beiden Zugbauer ist ein weiterer Schritt in dieser Strategie, mit der China für sich neue Märkte erschließen will.

Die beiden chinesischen Staatsunternehmen hatten sich bisher international einen ruinösen Wettbewerb geliefert - so etwa bei der Bewerbung um Großprojekte in der Türkei oder in Argentinien. "Die neue Gruppe wird einen klaren Vorteil vor ihren weltweiten Rivalen haben, denn sie kann den technologischen Vorsprung, das menschliche Kapital und die Produktionskapazität optimieren", sagte Wang Mengshu von Chinas Akademie für Ingenieurwesen der Zeitung "China Daily".

Mega-Aufträge in den USA

Der heimische Markt wächst nicht mehr so schnell. Die Kapazitäten sind groß. Da müssen neue Märkte gefunden werden. Ein Milliardendeal in Mexiko platze im November wegen mangelnder Transparenz bei der Ausschreibung. Doch gewann CNR im Oktober in Boston einen Vertrag über 567 Millionen US-Dollar für die örtliche U-Bahn - der erste für einen chinesischen Hersteller in den USA. Chinas Eisenbahner wollen auch die Züge für das große Hochgeschwindigkeitsnetz liefern, das der Bundesstaat Kalifornien über 1287 Kilometer ins Auge gefasst hat.

China will ferner Brasilien und Peru bei ihrem ehrgeizigen Projekt helfen, eine 4500 Kilometer lange Verbindung vom Pazifik zum Atlantik zu bauen. Chinesische Staatsbanken und milliardenschwere Infrastrukturfonds können für solche Vorhaben nötige Finanzierungen anbieten. Denkbar wären künftig auch Kredite der Entwicklungsbank der Brics-Staaten, die China zusammen mit Brasilien, Russland, Indien und Südafrika gegründet hat, oder von der neuen Asiatischen Infrastrukturbank (AIIB), die sich auch auf Chinas Milliarden stützt.

Um weltweite Marktgrößen zu schaffen, schaut sich Chinas Führung auch in anderen Industrien wie der Luftfahrt um. Nach dem Vorbild der Bahnfusion gibt es Diskussionen über einen Zusammenschluss der beiden großen staatlichen Flugzeughersteller Avic und Comac, wie eine chinesische Quelle der Deutschen Presse-Agentur in Peking berichtete.

Comac baut mit erheblicher Verzögerung und hohen Investitionen an einem Regionaljet und einem größeren Passagierflugzeug, um Airbus und Boeing Konkurrenz zu machen. "Die Regierung verliert die Geduld", sagt eine Person, die mit den internen Beratungen vertraut ist. Avic sei gebeten worden, Comac zu übernehmen. "Eine Fusion soll die Effizienz erhöhen und einen schlagkräftigen Konzern schaffen."
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