Draghi will deutsche Sorgen ausräumen

Die EZB könnte am Donnerstag den Kauf von Staatsanleihen in großem Stil beschließen. Doch das Programm ist umstritten. EZB-Präsident Draghi überlegt nun offenbar, die Kritiker zu besänftigen.

EZB-Chef Mario Draghi erwägt beim erwarteten Schritt der Zentralbank gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euro-Raum laut Berichten, Sorgen aus Deutschland ausräumen. Es werde "immer wahrscheinlicher", dass es Zugeständnisse gebe, meldete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Nur nationale Titel kaufen?

Nach einem "Spiegel"-Bericht soll eine Kaufbeschränkung auf nationale Schuldtitel verhindern, dass etwa Deutschland die Haftungsrisiken für andere Länder übernimmt. Den Berichten zufolge denkt die Europäische Zentralbank (EZB) daran, dass die nationalen Notenbanken jeweils nur die Staatsanleihen ihres eigenen Landes kaufen - also etwa die Bundesbank nur Bundesanleihen, die italienische Notenbank nur italienische Staatsanleihen.

Verluste, die möglicherweise irgendwann aus den Käufen von Anleihen entstehen, sollen nicht wie bislang üblich auf die Notenbanken aller Länder verteilt werden. Vielmehr solle jede Notenbank für die Risiken ihres Landes allein haften - zumindest für die Hälfte.

Das würde bedeuten, dass die Bundesbank und damit die deutschen Steuerzahler für den möglichen Ausfall italienischer oder französischer Staatsanleihen nicht oder nur teilweise haften müsste. Der "Spiegel" hatte berichtet, Draghi habe seine Überlegungen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) am vergangenen Mittwoch in Berlin vorgestellt. Die Europäische Zentralbank könnte am Donnerstag im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euro-Raum den Kauf von Staatsanleihen in großem Stil beschließen. Das Vorhaben ist aber umstritten, vor allem in Deutschland gibt es Bedenken.

Notenpresse anwerfen

Bei dem Programm drucken sich Zentralbanken quasi selbst Geld, um Wertpapiere zu kaufen. Das soll langfristige Zinsen senken. Zudem wird Geld ins Bankensystem geschleust, das die Institute anderweitig - etwa als Kredite - verwenden können. Das soll die Konjunktur anschieben.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe aber weitere, grundlegende Bedenken gegen den Kauf von Staatsanleihen, hieß es laut Zeitung in Bundesbankkreisen. Es gebe Zweifel hinsichtlich Notwendigkeit, Effektivität und Risiko. (Kommentar)
Weitere Beiträge zu den Themen: Frankfurt (2447)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.