Drama mit roten Zahlen

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Auch mehr als sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise kämpft Deutschlands größtes Geldhaus mit vielen Altlasten. Ein größerer Vorstand soll es richten - und ein prominenter Neuzugang.

Die Deutsche Bank holt zu einem Befreiungsschlag aus. Gerade haben die zahlreichen Rechtsrisiken das Institut wieder in die roten Zahlen gerissen (siehe Grafik) - es ist der dritte Quartalsverlust in der seit knapp zweieinhalb Jahren andauernden Amtszeit der beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Nun reagiert Aufsichtsratschef Paul Achleitner und wirbelt den Vorstand durcheinander. Es wird einen neuen Finanzchef und einen neuen Rechtsvorstand geben. Der eine kommt von Goldman Sachs und soll Deutschlands größte Bank dauerhaft in sicheres Fahrwasser führen. Auf den anderen, einen Aufsteiger aus dem eigenen Hause, wartet eine Mammutaufgabe, denn er soll die zahlreichen juristischen Baustellen der Bank schließen. Diesen Job übernimmt Christian Sewing. Der 44-Jährige, der bereits seit mehr als 20 Jahren für die Bank arbeitet, genießt das Vertrauen der beiden Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Er war erst im vergangenen Jahr zum Chef der internen Revision, also der Kontrollinstanz im Konzern, aufgestiegen - ein wichtiger Posten bei dem von Jain und Fitschen postulierten Kulturwandel.

Jede Menge Rechtsstreits

Jain räumte am Mittwoch ein, dass die Bank sich die Abarbeitung ihrer Rechtsrisiken einfacher vorgestellt habe. Dabei ist sie in mehr als 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt, davon 1000 mit einem Streitwert von mehr als 100 000 Euro. Zuletzt gab es kaum einen Bankenskandal, in den die Deutsche Bank nicht verstrickt war. Für windige Hypothekengeschäfte in den USA einigte sie sich bereits auf einen Milliardenvergleich. Im Skandal um manipulierte Zinsen (Libor/Euribor) musste sie 725 Millionen Euro bei der EU-Kommission zahlen. In den USA verhandelt die Bank noch über einen Vergleich. Ermittlungen laufen auch wegen anderer möglicher Betrügereien auf dem Devisenmarkt, sowie bei Gold und Silberkursen.

Bislang ist Stephan Leithner im Vorstand für die Rechtsthemen zuständig. Doch wegen der schleppender Abarbeitung der Rechtsrisiken geriet er zuletzt unter großen Druck. Zudem ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft gegen ihn im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen Fitschen und vier frühere Spitzenmanager des Frankfurter Geldhauses im Fall Kirch.

Nun muss der gebürtige Österreicher Federn lassen. Er war im Juni 2012 zum Amtsantritt von Jain und Fitschen in den Vorstand gekommen und hatte dort den umfangreichsten Aufgabenbereich - von der Verantwortung für das Europageschäft über das Personal, bis hin zu den Rechtsfällen. Das war offensichtlich zu viel. Als deutschsprachiger Top-Banker galt Leithner bislang als möglicher Kronprinz bei der Deutschen Bank.

Bis Ende März 2017 laufen die Verträge von Jain und Fitschen. Fitschen wird sicher aufhören - er ist dann 68 Jahre alt. Die Frage ist, ob Jain danach die Bank allein führt oder doch weiter in einer Doppelspitze. Jain selbst sagte Anfang September, dass er gern weiter mit einem Partner arbeiten würde. Dafür könnte auch Stefan Krause infrage kommen, auch wenn er im nächsten Jahr als Finanzvorstand abgelöst wird. In der Bank wird betont, dass das kein Abstieg sei. Der frühere BMW-Manager selbst, so heißt es, wolle nach zwölf Jahren als Finanzchef in Dax-Konzernen etwas anderes machen. Er soll künftig im Vorstand der Bank die Konzernstrategie entwickeln.

Stresstest bestanden

Es gilt als Krauses Verdienst, dass die Bank zuletzt locker durch den Stresstest der Europäischen Zentralbank kam. In seiner Amtszeit stemmte Krause auch gleich vier Kapitalerhöhungen, die der Bank 22 Milliarden Euro einbrachten. Es gibt aber auch Kritik - etwa an angeblichen Mängeln in der Bilanzierung bei der US-Tochter. Krause selbst weist das zurück.

Im Mai 2015 übernimmt dann der frühere Eon-Vorstand Marcus Schenck das Finanzressort. Er hatte erst Ende 2013 Eon verlassen, um zu seinem alten Arbeitgeber Goldman Sachs zurückzukehren. Bei der Nachfolge von Deutschland-Chef Alexander Dibelius kam er nicht zum Zuge. Inwiefern Schenck zum neuen starken Mann bei der Deutschen Bank wird, wird sich zeigen.
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