Drastische Einschnitte drohen
Sparkassen in Bayern dünnen Filialnetz aus

In diesem Jahr könnten mehr als 200 Sparkassen-Filialen das Logo abbauen und die Pforten schließen. Archivbild: dpa

Auf die Sparkassen im Freistaat kommt eine Welle an Filialschließungen zu. Ein Grund ist das Verhalten der Kunden, das sich in den vergangenen Jahren stark geändert hat.

München. Für 2016 rechnet Ulrich Netzer, Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes, mit einem Rückgang der Geschäftsstellen-Zahl von bis zu zehn Prozent. Damit wird die Zahl der Filialen wohl doppelt so schnell sinken wie 2015, als 82 der 2327 Geschäftsstellen geschlossen wurden. Hintergrund ist zum einen die aus den niedrigen Zinsen resultierende Ertragsschwäche, zum anderen das Kundenverhalten. Immer mehr Kunden würden ihre Bankgeschäfte über das Internet erledigen, erläuterte Netzer. Im Durchschnitt suche jeder Sparkassenkunde seine Filiale nur noch einmal im Jahr auf.

"Mit Augenmaß"


Vizepräsident Roland Schmautz zufolge würden Filialen nur dort aufgelöst, wo dies wegen der niedrigen Kundenfrequenz nötig sei. "Wir werden das ausgewogen und mit Augenmaß machen", versprach er. Gleichzeitig werde in größere Filialen investiert und dort die Beratungskompetenz gebündelt. Wie Netzer ergänzte, seien die Sparkassen im Vergleich zu anderen Bankengruppen "vor Ort noch deutlicher präsent, und das wollen wir auch bleiben".

Wirtschaftlich blickte die Verbandsspitze "zufrieden" auf 2015 zurück. Die Bilanzsumme der 71 bayerischen Sparkassen stieg um 3,8 Prozent auf 193 Milliarden Euro. Bei den sieben Sparkassen in der Oberpfalz betrug das Plus 3,5 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Während die Sparkassen Oberpfalz-Nord (1,4 Milliarden Euro) und Amberg-Sulzbach (2 Milliarden Euro) ihre Bilanzsummen stabil hielten, legten die Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß leicht auf 1,4 Milliarden Euro zu. Etwas besser im Geschäft auch die Sparkasse Schwandorf mit zwei Milliarden Euro (Vorjahr 1,9 Milliarden Euro).

Positiv entwickelten sich bei den bayerischen Sparkassen die Kundeneinlagen. Insgesamt verwalteten sie 152 Milliarden Euro, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Immer mehr Kunden schichteten dabei ihre Spargelder in höher verzinste Investmentfonds um. Das ausgereichte Kreditvolumen stieg um 4,7 Prozent auf 122 Milliarden Euro. Wegen der weiter sinkenden Zinsüberschüsse und höheren Bürokratie-Anforderungen sank der Jahresüberschuss um 5,8 Prozent auf 317 Millionen Euro. Ohne gravierende Änderungen im Zinsumfeld werde sich diese Entwicklung fortsetzen, so Schmautz.

Tresor statt Bundesbank


Wie Schmautz einräumte, bereitet den Sparkassen der hohe Überschuss an Spareinlagen Probleme. Weil die Gelder nicht im gleichen Umfang wieder als Kredit vergeben werden könnten, würden Institute erwägen, das Geld in ihren Tresoren zu bunkern, anstatt es - wie sonst üblich - bei der Bundesbank zu lagern. Dafür seien Gebühren fällig. Zur Höhe der in den Tresoren gelagerten Summe machte Schmautz "aus Sicherheitsgründen" keine Angaben.
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