Edelschneider in der Krise
Der neue Boss von Boss

Mark Langer, Vorstand für Finanzen von Hugo Boss, wird auch Vorstandschef des Modekonzerns. Den Posten hatte im Februar Claus Lahrs räumen müssen. Archivbild: dpa

Auf der Suche nach einem neuen Vorstandschef ist Hugo Boss in den eigenen Reihen fündig geworden: Der bisherige Finanzvorstand Mark Langer soll den aus dem Tritt geratenen Konzern führen und der Marke neues Leben einhauchen. Auch andere Modekonzerne kämpfen um Kunden.

Metzingen. Die Suche nach einem Nachfolger beim Modekonzern Hugo Boss ist beendet. Ein neues Gesicht wird es in Metzingen allerdings nicht geben. Der bisherige Finanzchef Mark Langer soll das Unternehmen künftig leiten. Der Boss-Anzug ist schon seit mehr als 13 Jahren seine Arbeitskluft. Waren es in den vergangenen sechs Jahren vor allem die Zahlen, denen er als Finanzvorstand seine Aufmerksamkeit widmete, muss er als Vorstandsvorsitzender der Hugo Boss AG nun die schweren Geschütze auffahren. Dem Edelschneider fehlen Kunden, es mangelt an Gewinn und auch die Marke hat an Glanz verloren. Kurz: die alte Erfolgsmaschine Hugo Boss braucht neue Konzepte.

Einst Fels in der Brandung


"Es muss eine Menge getan werden, um den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen", sagt Analyst Mark Josefson von der Equinet Bank. Der Traditionskonzern war 2015 wie viele andere Modeunternehmen in die Bredouille geraten. Eine Expansion mit teuren Läden rund um den Globus wurde dem Unternehmen zum Verhängnis, als die Kunden fernblieben. Für dieses Jahr ist daher mit wesentlich weniger Profit zu rechnen. Dabei war der Konzern lange Zeit ein Fels in der tosenden Brandung, die so einige Unternehmen der deutschen Modebranche wegzureißen droht. So will Gerry Weber jeden zehnten Mitarbeiter entlassen, Tom Tailor schließt Läden und die Muttergesellschaft der Adler-Modemärkte, Steilmann, musste sogar Insolvenz anmelden.

Zum schwierigen Umfeld gesellen sich hausgemachte Fehler. Sei es, dass man zu spät mit einem eigenen Onlineauftritt am Start war, Trends zu spät erkannt oder die Kundenwünsche vernachlässigt hat. Davor kann auch Hugo Boss ein Lied singen. Die Vernachlässigung der Herrenmode ist aus Sicht von Aktionärsvertreter Filippo Siciliano von der Deutschen Schutzbereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der schwerwiegendste Fehler: "Hugo Boss hat den Bezug zu den Wurzeln verloren." Auch die Hinwendung zu mehr Luxus sei nicht geglückt. Statt "Champions League-Niveau" biete Boss hier noch "zu viel Kreisliga", insbesondere bei der Verarbeitung der Waren.

Genau hier sieht Oliver MacConnell von der Berliner Fashion Practice Academy allerdings auch eine Gefahr. Vor Langer liege eine Gratwanderung: "Er muss die Marke für den Kunden von Herrenbekleidung wieder als sexy und stilistisch preislich adäquat positionieren ohne die dringend notwendige unternehmerische Konsolidierung zu vernachlässigen", sagt MacConnell. Allerdings: "Hugo Boss darf nicht wieder zu einem langweiligen Mittelständler gemacht werden."

Investitionen gekürzt


Einiges hat das Management von Boss bereits in die Wege geleitet. 50 Millionen Euro will der Konzern 2016 einsparen, indem er Mitverträge nachverhandelt oder Marketingausgaben kürzt. Investitionen werden zusammen gestrichen und Läden geschlossen. Runter sollen zudem die Preise in China, wo Boss-Kleidung noch immer teuerer ist als hierzulande. Ausreichend ist das auch Sicht von Experten aber noch nicht. Langer dürfte einen Plan vorlegen, wie er die Umsätze wieder antreiben will, erwartet Commerzbank-Analyst Andreas Riemann. Dass der Aufsichtsrat sich gegen eine externe Lösung entschieden habe, zeige aber auch, wie schwer es offenbar sei, jemand geeigneten für den Posten zu finden.
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