Ein bisschen Frieden

Was war denn das? Erst stellt Ferdinand Piëch, immerhin Aufsichtsratsvorsitzender und einer der größten Anteilseigner von Volkswagen, Konzernchef Martin Winterkorn quasi den Stuhl vor die Tür, und dann bleibt dieser im Amt, bekommt sogar eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt. War alles nur ein Irrtum? War das alles nicht so gemeint?

Wohl nicht. Denn man mag an Piëch einiges auszusetzen zu haben, aber dass er sich nicht um sein Eigentum - zu dem der größte Autobauer in Europa gehört - kümmert, kann man ihm schwerlich vorwerfen. Klar ist aber auch: Nicht nur Piëch, sondern auch Winterkorn ist ein machtbewusster Mann mit Verdiensten und in einem Alter, in dem man sich kaum noch von einem anderen vorschreiben lässt, was man zu tun hat. Und so lag es auf der Hand, dass der Vorstandschef nicht einfach klein beigeben und den Fahrersitz räumen wird, nur weil der VW-Patriarch öffentlich verkündet: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn."

Doch eines ist auch Winterkorn klar: Die Fronten sind verhärtet. Piëch und dessen Anhänger werden ihm alles ankreiden, was ihnen nicht passt. Aber der Vorstandsvorsitzende muss nicht mit dem Makel leben, er sei hinausgeworfen worden. Sondern er kann nun - nach einer gesichtswahrenden Frist - von sich aus sagen: "Jetzt ist es gut, ich gehe." So bedeutet diese Erklärung des Aufsichtsrats-Präsidiums zumindest eines: ein bisschen Frieden. Und das ist auch nicht schlecht für diesen gewaltigen Konzern mit knapp 120 Werken weltweit und insgesamt rund 600 000 Mitarbeitern.
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