Ein Konto für jedermann

"Mehr als tausend Konten" führt die Sparkasse Amberg-Sulzbach als Bürgerkonto, darunter auch verstärkt für Asylbewerber. Archivbild: Hartl

Das "Giro-Konto für alle" blieb in der Vergangenheit weitgehend an den Sparkassen hängen. Jetzt sind alle Banken gesetzlich verpflichtet, ab 2016 ein Konto für jeden einzurichten - auch für Flüchtlinge und Obdachlose. Über die Gebühren lässt sich jedoch die Nachfrage steuern, denn diese Klientel ist nicht gerade gewinnbringend.

Weiden/Amberg. So stieß unsere Zeitung bei ihren Recherchen auf eine nicht unbedeutende regionale Bank, die für solch ein Basis-Konto 6,50 Euro Grundgebühr im Monat fordert. Dazu kommen 0,50 Cent für jede weitere Buchung und 6 Euro für die EC-Karte. "Normale" Kunden mit einem durchschnittlichen Haben-Stand von 1500 Euro fahren hier deutlich kostengünstiger. Für dieses Modell kommen aber Kriegsflüchtlinge wohl kaum in Frage ...

Ohne Konto ist es fast nicht möglich, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen: Die Zahlung von Miete, Telefon, Lohn/Gehalt oder Sozialleistungen erfolgt bargeldlos. Das Jedermann-Giro wird zwar als reines Guthaben-Konto geführt, doch es muss ständig überwacht und kontrolliert werden: Was Personal bindet und damit Geld kostet. Dazu kommt die hohe Fluktuation dieses Klientels, was (relativ) häufiges Anlegen und Auflösen der Konten zur Folge hat. Nicht selten bleiben die Geldinstitute und Banken dabei auf den aufgelaufenen Rest-Gebühren sitzen. Die Sparkassen in der Region verweisen übereinstimmend auf ihren "öffentlichen Auftrag" (Amberg-Sulzbach), ihre "am Gemeinwohl orientierte Geschäftsphilosophie" (Schwandorf), ihren "öffentlichen Auftrag" (Neustadt/WN) und "soziale Grundausrichtung" (Oberpfalz Nord).

Die Sparkassen, die nach eigenen Angaben schon immer die Selbstverpflichtung zu einem "Jedermann-Konto" auf Guthaben-Basis erfüllten, sind die erste Adresse für Flüchtlinge und sozial Schwache. So führen die regionalen Sparkassen jeweils "mehr als Tausend" solcher Konten. "90 Prozent der Flüchtlinge sind bei uns", sagt Gerhard Hösl, Vorstand der Vereinigten Sparkasse Neustadt/WN. Wegen der oft mangelnden Verständigung richtete das Geldinstitut eine eigene Power-Point-Präsentation in mehreren Sprachen ein, in denen die Konto-Eröffnung erklärt wird. "Auch wenn wir unterm Strich Geld mitbringen" (Hösl), gelten die gleichen Konditionen wie für die anderen Kunden auch: 3,50 Euro im Monat plus 50 Cent für jede "beleghafte Buchung".

"An uns weitergereicht"

In vergleichbarer Größenordnung liegen auch die Standard-Konditionen der anderen Sparkassen in der Region. Die Sparkasse Amberg-Sulzbach habe schon immer Einkommensschwächeren die Möglichkeit gegeben, am Zahlungsverkehr teilzunehmen, betont Vorstandsvorsitzender Dieter Meier. "Die anderen Banken haben in der Vergangenheit diese Kunden gerne an uns weitergereicht", meint der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberpfalz Nord, Ludwig Zitzmann.

"Schon in der Vergangenheit wurde keiner abgewiesen", beteuert Gerhard Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Nordoberpfalz. Die genaue Anzahl der "Giro-Konten für alle" mochten die befragten genossenschaftlichen Banken nicht nennen. Von "Einzelfällen im zweistelligen Bereich" spricht Bernhard Wolf von der Raiffeisenbank Weiden. In ähnlicher Dimension bewegen sich auch die anderen Genossenschaftsbanken.
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