Eindeckungs-Geschäft für den Winter boomt: Bei Heizöl schon drei Wochen Lieferzeit - Wie ein ...
Billiges Öl hebt Laune von Hausbesitzern und Autofahrern

Grafik: NT/AZ
Weiden/Amberg. In Riesenschritten nähert sich der Heizölpreis dem Niveau von 2005. Während die Notierungen nach unten zeigen, steigt die Nachfrage, um die Tanks für den Winter günstig zu füllen. "Auf bis zu drei Wochen Lieferzeit müssen sich derzeit die Kunden einstellen", sagt Gerhard Bergler, Geschäftsführer der Firma Bergler Mineralöl, die von Amberg bis Marktredwitz, von Auerbach bis Windischeschenbach, tätig ist. Der Kunde gehe dabei keinerlei Risiko ein: "Es gilt auf jeden Fall der vereinbarte Preis."

Mit knapp 49 Cent je Liter (ab 3000 Liter, plus Steuer und Anfahrtspauschale) ist nach den Marktbeobachtungen Berglers das Heizöl um glatte 18 Cent günstiger als im Vorjahr. Kein Wunder, dass sich Eigenheim-Besitzer und Wohnungsbau-Gesellschaften in diesen Wochen fleißig eindecken; das Geschäft bei den Mineralölhändlern der Region brummt.

Erdgas weit teurer

"Wenn der Verbraucher derzeit kauft, kann er nichts verkehrt machen", sagt Andreas Troidl von der Firma Deglmann Energie in Weiden. Er rechnet zwar mit kleineren Preisschwankungen, "aber auf niedrigem Niveau über längere Zeit". Diese Einschätzung teilt auch Gerhard Bergler, der von einem "stabilen Seitwärtstrend" berichtet. Der Kunde zeige sich übrigens bestens informiert.

Totgesagte leben länger: Während ölverfeuernde Hausbesitzer so billig - wie seit Jahren nicht mehr - bevorraten können, ist der Gas-Kunde klar im Nachteil. Gerhard Bergler: "Erdgas ist je Kilowattstunde um mindestens 15 Prozent teurer als Heizöl." Der Ölverbrauch gehe in Deutschland seit Jahren zurück. Brenner werden effizienter, dazu kommen die relativ milden Winter. "Außerdem gibt es mehr Hybrid-Lösungen."

Mehr Geld in der Tasche

Der gesunkene Ölpreis zündet in der regionalen Wirtschaft wie ein mittleres Konjunkturprogramm. "Die Einschätzung unserer Unternehmen zu Energie- und Rohstoffkosten ist weit weniger risikobehaftet als noch vor einem Jahr", betont Florian Rieder, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Weiden. Es profitierten vor allem das Transport-, Omnibus-/Reise- und Speditionsgewerbe. Weil die Verbraucher über die billigen Öl- und Spritpreise erheblich mehr Geld in der Tasche haben, "zählen auch die konsumnahen Branchen wie der Einzel- und Großhandel zu den eindeutigen Gewinnern".

Gerade für die im harten Konkurrenzkampf stehenden Speditionen bringt der aktuelle Dieselpreis erhebliche Einsparungen. "Bei einer Million Euro Ausgaben für Dieselkraftstoff im Jahr bedeutet die jetzige Situation für uns eine gewisse Entlastung", meint Fritz Gollwitzer, geschäftsführender Inhaber der traditionsreichen Spedition Gollwitzer mit Standorten in Weiden, Nürnberg, Marktredwitz und Zwönitz in Sachsen. Die Firma Gollwitzer zählt 90 Mitarbeiter, 50 eigene Lastzüge und 30 Vertragsunternehmen. Der Chef führt seit 45 Jahren penibel Buch über die monatlichen Dieselpreise.

"Bei aller Erleichterung: Der Dieselpreis ist nicht alles", verweist Gollwitzer auf schwerwiegendere Probleme. Besonders die mittelständischen Speditionen ("wir beschäftigen nur Fahrer nach den deutschen Standards") sehen sich durch die großen Speditionskonzerne regelrecht bedroht. Gollwitzer: "Sie vergeben Aufträge an polnische oder tschechische Fuhrunternehmen, die wiederum ukrainische Fahrer einsetzen, für wenige Hundert Euro im Monat."

Die Preise für Diesel sind übrigens mit minus 10 Cent im Jahresvergleich bei weitem nicht so stark gefallen wie für Heizöl mit minus 18 Cent je Liter. "Weil der Steueranteil für Kraftstoffe höher ist", erklärt Gerhard Bergler.
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