Eine Volksabstimmung könnte die Edelmetallbranche kräftig durcheinander wirbeln
"Rettet unser Schweizer Gold"

Die Schweiz hat im Pro-Kopf-Vergleich die höchsten Goldreserven aller Staaten. Das reicht vielen Eidgenossen nicht. Sie fordern, die Bestände zu verdreifachen. Bild: Keystone/Karl Mathis/dpa
Goldhändler haben sich den kommenden Sonntag im Kalender vorgemerkt. Er könnte sich als ein Tag erweisen, den die Edelmetallbranche nicht so schnell vergisst. Unter dem Motto "Rettet unser Schweizer Gold - Volksvermögen schützen" sind fünf Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Goldreserven auf 20 Prozent aller Aktiva fast verdreifachen sowie sämtliche Goldbestände im Ausland heimholen muss und künftig kein Gold mehr verkaufen darf.

1800 Tonnen Gold aufkaufen

Mit einem mehrheitlichen Ja würden die Eidgenossen nach Überzeugung von Experten die Lunte an den Weltmarktpreis für das Edelmetall legen. Die SNB wäre nämlich gezwungen, in den kommenden fünf Jahren rund 1800 Tonnen Gold aufzukaufen. 20 Prozent der zurzeit 1040 Tonnen eidgenössischen Goldes lagern bei der Bank of England, 30 Prozent bei der kanadischen Zentralbank. Kommt die Goldinitiative durch, müssten künftig sämtliche Vorräte im Alpenland gebunkert werden.

Hohe Goldreserven, so behaupten die Initiatoren um den Politiker Lukas Reimann von der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei, seien immer noch das "Fundament jeder stabilen Währung". Und sie schüren Ängste: "Die USA und die EU sind drauf und dran, Dollar und Euro in den Boden zu wirtschaften." Das bedrohe auch die Schweiz. "Je größer die Risiken, desto wichtiger ein ausreichender Gold-Notvorrat!"

44 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Instituts GFS Bern erklärten Ende Oktober, sie wollten mit Ja stimmen. Nur 39 Prozent sagten Nein. Dabei hatten sich Regierung, Parlament und fast die gesamte Wirtschaft gegen die Initiative ausgesprochen. "Sie ist gut gemeint, aber sie basiert auf einem grundlegenden Denkfehler", sagte SNB-Chef Thomas Jordan. Die Nationalbank würde durch eine derartige Gold-Fixierung nicht mehr flexibel genug auf eine neue Finanzkrise reagieren können.

Franken unter Druck

Allein die Möglichkeit, dass die Schweizer trotzdem zustimmen, hat den Franken erneut unter starken Aufwertungsdruck gesetzt. Hält die Franken-Nachfrage an, muss sie Milliarden für Euro-Käufe aufwenden, um zum Schutz der Exportwirtschaft die Verteuerung der Landeswährung zu verhindern. Sollte die Initiative durchkommen, müsste die SNB obendrein bei Devisenkäufen stets ein Fünftel Gold dazukaufen, um den 20-Prozent-Anteil halten zu können.
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