Einschüchterung oder "Rufschädigung"?

Im Tarifkonflikt zwischen Verdi und Post um kürzere Arbeitszeiten schlagen die Wellen höher - und der Ton wird rauer: Wieder streiken Postbeschäftigte und Verdi wirft dem Konzern Einschüchterungen von Streikenden vor. Die Post spricht von "Rufschädigung".

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post um kürzere Arbeitszeiten wird der Ton zwischen den Tarifpartnern schärfer. Die Gewerkschaft Verdi warf dem Post-Management vor, Streikende mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes gedroht zu haben, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwoch/Donnerstag) berichtet. Betroffen gewesen seien dabei befristet beschäftigte Arbeitnehmer. Ein Konzernsprecher bezeichnete die Vorwürfe als "Rufschädigung". Es gebe keine gezielte Bedrohung oder Einschüchterung der Mitarbeiter durch die Unternehmensführung, sagte er. Bei der Größe des Konzerns könne er solche Vorgänge aber auch nicht grundsätzlich ausschließen.

Brief Gabriels an die Post

Wegen der Vorgänge bei der Post schaltete Verdi auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ein, wie die Zeitung und die Deutsche Presse-Agentur erfuhren. In seiner Eigenschaft als SPD-Chef schrieb Gabriel an Vorstandschef Frank Appel, um zu erfahren, ob die Vorwürfe zutreffend sind. Allen Arbeitgebern, ganz besonders aber den großen Unternehmen mit Bundesbeteiligung, müsse die Achtung persönlicher wie kollektiver Arbeitnehmerrechte abverlangt werden, heißt es der SZ zufolge in dem Brief.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte die Nachfrage Gabriels bei der Post. "Er hat sich sicherlich nicht ohne Anlass von Hinweisen erkundigt." Der Bund hält ein Aktienpaket von 21 Prozent an der Post. Es gelte der Grundsatz, dass man sich als Anteilseigner aber nicht in das operative Geschäft einmische, sagte der Sprecher weiter.

Hintergrund der Streiks ist ein ungelöster Tarifkonflikt über die Verkürzung von Arbeitszeiten. Diese fordert Verdi als Ausgleich zur Gründung von 49 regionalen Gesellschaften in der Paketzustellung, in denen nach Angaben der Post 6000 Zusteller zu geringeren Löhnen arbeiten. Die Post hatte unter anderem angeboten, den Kündigungsschutz für die Beschäftigten um drei Jahre bis 2018 auszuweiten sowie Heiligabend und Silvester wieder als arbeitsfreie Tage einzuführen. Auch Pausenregelungen sollten ausgeweitet und Schichtzuschläge großzügiger geregelt werden. Verdi hatte das Angebot zurückgewiesen, die Verhandlungen abgebrochen und Warnstreiks angekündigt.
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