Eisige Zeiten

Während Geschäfte zwischen Russland und dem Westen schwierig werden, fürchten die Menschen im Land die steigenden Preise. So kam es am Freitag in einem Möbelgeschäft zu Hamsterkäufen. Bild: dpa

Anfang Dezember verkündet Gazprom einen Strategiewechsel in Europa. Jetzt stoppt der Konzern ein milliardenschweres Geschäft mit BASF. Auch ein Deal des Versorgers RWE könnte kippen.

Nach dem geplatzten Geschäft zwischen dem russischen Gazprom-Konzern und dem Chemiekonzern BASF befürchten Anleger auch das Scheitern des von RWE geplanten Verkaufs der Öl- und Gasfördertochter Dea an einen russischen Investor. Ein RWE-Sprecher erklärte am Freitag in Essen: "Wir arbeiten daran, die Transaktion zügig abzuschließen. Allerdings stehen noch einige Zustimmungen Dritter aus."

London blockiert

RWE will Dea für 5,1 Milliarden Euro an den russischen Oligarchen Michail Fridman verkaufen. Doch die britische Regierung blockiert wegen der politischen Sanktionen gegen Russland dieses Geschäft. Die Regierung in London hat ein Mitspracherecht, da auch Förderprojekte in Großbritannien betroffen sind.

Zuvor hatten BASF und Gazprom mitgeteilt, dass das bis Jahresende vorgesehene Tauschgeschäft zwischen den beiden Konzernen nicht vollzogen wird. Dabei hätte die BASF-Tochter Wintershall das gemeinsam mit den Russen betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft vollständig an Gazprom übertragen. Im Gegenzug war die gemeinsame Erschließung von Gasfeldern in Westsibirien vorgesehen. "Aufgrund des aktuell schwierigen politischen Umfelds haben BASF und Gazprom beschlossen, den Tausch von Unternehmensanteilen nicht zu vollziehen", hatte Wintershall mitgeteilt.

BASF-Chef Kurt Bock sagte, der Konzern werde seine Zusammenarbeit mit Gazprom in den bestehenden Gemeinschaftsunternehmen fortsetzen. Das Geschäft mit dem staatsnahen russischen Konzern war wegen der russischen Rolle in der Ukraine-Krise in die Kritik geraten. Anfang Dezember hatte Gazprom nach dem Stopp der transeuropäischen Erdgasleitung South Stream einen Strategiewechsel beschlossen. Die Einstellung Russlands zum europäischen Markt ändere sich grundlegend, hatte Gazprom-Chef Alexej Miller gesagt. Er begründete den Kurswechsel mit der EU-Bürokratie, die auch South Stream zum Scheitern gebracht habe. Die EU-Kommission störte sich daran, dass Gazprom sowohl das Gas liefern als auch die Leitung betreiben sollte.

Produktion gestoppt

Nach dem Stopp von South Stream muss der Röhrenhersteller Europipe die Produktion von Stahlrohren bis 1. Januar aussetzen. Das teilte die Salzgitter AG mit. Europipe ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Salzgitter und der Dillinger Hütte. Europipe hatte früheren Angaben zufolge einen Auftrag über 450 000 Tonnen Rohre für den Bau der Pipeline erhalten. Zum Wert des Auftrags hatte Europipe keine Angaben gemacht.
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