Ende der goldenen Zeiten absehbar

Mitarbeiter kontrollieren im Volkswagen-Werk im chinesischen Anting Fahrzeuge. Europäische Unternehmen in der Volksrepublik stellen sich auf härtere Zeiten ein. Archivbild: dpa

Schwächeres Wachstum, verschleppte Reformen, zu viele Handelsbeschränkungen: Für Europäische Unternehmen häufen sich die Probleme in China. Sie stellen sich auf eine härtere Zukunft ein.

Europäische Unternehmen zeichnen ein zunehmend trübes Bild von der wirtschaftlichen Situation Chinas. "Die Wirtschaft verlangsamt sich und bereits angekündigte Reformen werden zu langsam umgesetzt", sagte Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Das geringere Wirtschaftswachstum von zuletzt nur noch sieben Prozent habe viele ausländische Unternehmen in ihrem Optimismus gedämpft. "Es ist für uns noch nicht das Ende aller Zeiten. Aber es sind andere Zeiten", sagte Wuttke, der am Dienstag in Peking das jährliche Positionspapier der Handelskammer vorlegte.

Außenhandel: Rückgang

Düsterer als erwartet fielen die Außenhandelszahlen aus. Die Ausfuhren Chinas seien im August verglichen mit dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf knapp 197 Milliarden Dollar gefallen, teilte die Zollverwaltung in Peking mit. Damit gingen die Exporte in diesem Jahr bisher in sechs von acht Monaten zurück. Noch schlechter sieht es bei den Einfuhren aus. Diese fielen zum zehnten Mal in Folge. Hier betrug der Rückgang 13,8 Prozent auf 137 Milliarden Dollar.

Als eines der drängendsten Probleme der chinesischen Wirtschaft nannte Wuttke den hohen Schuldenstand, der sich zuletzt laut Schätzungen auf 282 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes des Landes belief. "Das Tempo, mit dem vor allem die Schulden der Lokalregierungen und Unternehmen wachsen, ist besorgniserregend", sagte Wuttke.

Auch Reformen hin zu mehr Rechtsstaatlichkeit gingen nur langsam voran. Sorgen mache den europäischen Unternehmen in China zudem ein neues Gesetz, das der Polizei unter anderem im Internet noch weitreichendere Durchgriffsmöglichkeiten als bisher einräumt. Ausländische Unternehmen hatten sich besorgt geäußert, weil ihre Server künftig leichter ausgespäht werden könnten, sagte Wuttke. Die Handelskammer bemängelte auch, wie die Regierung mit der Bewältigung der Börsenkrise umgegangen ist. Selbst als sich die Kurse schon verdoppelt hatten, seien die Menschen von Staatsmedien noch immer zum Kauf von Aktien motiviert worden. Dass dann auf den steilen Anstieg ein Crash folgte, sei kein Wunder. "Das Vertrauen von Investoren wurde zerstört", sagte Wuttke.

Gewinne steuerfrei

Der chinesische Leitindex in Shanghai war seit Sommer 2014 um über 150 Prozent gestiegen, weil Privatanleger im Börsenfieber massenhaft Aktien auf Kredit gekauft hatten. Seit Mitte Juni sind die Kurse jedoch eingebrochen. China hat bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um Turbulenzen an den Börsen einzudämmen.

Die chinesische Regierung versuchte am Dienstag mit einem weiteren Schritt, die turbulenten Börsen unter Kontrolle zu bringen. Wer Aktien künftig länger als ein Jahr hält, soll auf die Dividenden keine Steuern mehr zahlen müssen, kündigte das Finanzministerium an. Auch soll der Handel ausgesetzt werden, wenn Kurse im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages über einen bestimmten Prozentsatz steigen oder sinken.
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