Ende der Sektlaune

Der Traum vom Höhenflug des Dax ist zu Ende - schmerzlich für manche in der Frankfurter Börse. Bild: dpa

Im Sommer herrschte Jubelstimmung an den Börsen. Der Dax schoss über 10 000 Punkte - Anleger träumten von neuen Rekorden. Jetzt bringen fallende Kurse sie um den Schlaf. Viele fragen bange: Ist das der Anfang vom Ende des Börsenbooms?

Ebola-Epidemie, Ukraine-Krise, IS-Terror: Den Frankfurter Börsianern schien das egal. Nicht einmal eine schrumpfende Industrieproduktion und eingebrochene Exporte konnten den Aktienkursen viel anhaben. Geradezu übermächtig schien der Glaube, dass die Geldflut der Notenbanken die Probleme hinwegschwemmen würde.

Doch dieser Glaube ist spätestens seit Freitag erschüttert: Der Deutsche Aktienindex fällt auf den tiefsten Stand seit zwölf Monaten. "Das Konjunkturklima trübt sich immer weiter ein, und die zahlreichen internationalen Konflikte und Krisenherde werden die Märkte weiterhin schwer belasten", sagt Marktexperte Ludwig Donnert von Orca Capital. Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner ergänzt, die Konjunktur sei einfach nicht in der Verfassung, die sich viele Marktteilnehmer gewünscht hätten.

Noch im Juni war der Dax erstmals über 10 000 Punkte gesprungen. Einige Börsianer träumten von einem Durchmarsch auf 11 000 Punkte - und das mitten in einer weiterhin schwelenden Euro-Krise. Die Träumereien sind vorbei. Am Freitag unterschritt der deutsche Leitindex die 8800-Punkte-Marke. Beobachter halten ein Abgleiten auf 8500 Punkte oder noch tiefer für möglich.

Die Verkaufswelle mit ausgelöst hat der Chef der regionalen US-Notenbank von St. Louis, James Bullard. Er zerstörte die Hoffnungen der Börsianer, dass die Geldflut anhalten könnte. Im ersten Quartal 2015 sei wie geplant Schluss mit den niedrigen Zinsen - am Markt war mit einer Anhebung frühestens Mitte 2015 gerechnet worden. Nach diesen Worten knickten zunächst die US-Börsen ein, es folgten die asiatischen und europäischen Handelsplätze.

Das billige Geld - wovon auch Hausbauer bei seinen Kreditzinsen profitiert - gilt als Schmiermittel der Börsen. Anleger stecken mangels Alternative ihr Geld in Aktien und treiben die Preise in die Höhe - auch wenn die Gewinne der Unternehmen und die wirtschaftlichen Aussichten die hohen Kurse eigentlich nicht mehr rechtfertigen.
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