Ende einer Ära
Zum Abschied Applaus für Adidas-Chef Hainer

Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas, Herbert Hainer (links), nimmt nach seiner Rede auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Fürth den Applaus des Aufsichtsrats entgegen. Rechts der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Igor Landau. Bild: dpa

Vermutlich mit Rekordergebnissen wird der langjährige Adidas-Chef Herbert Hainer den Sportartikel-Konzern verlassen. Der Druck auf seinen Nachfolger Kasper Rorsted ist deswegen hoch. Doch an einigen schweren Brocken kann sich der Däne beweisen.

Fürth. Am Ende gab es Standing Ovations: Als der scheidende Adidas-Chef Herbert Hainer zum 16. und letzten Mal vor den Aktionären Rechenschaft ablegte, erhob sich der gesamte Aufsichtsrat und zollte dem Langzeit-Chef Respekt. Keiner der aktuellen Dax-Chefs kann auf eine so lange Dienstzeit an der Spitze zurückblicken wie der 61-Jährige. Zum 1. Oktober übernimmt der frühere Henkel-Chef Kasper Rorsted den Staffelstab. Bereits von August an wird der Däne eingearbeitet. Und die Messlatte für ihn hängt hoch.

Vorfinden wird Rorsted einen Konzern, der laut Hainer wieder auf Rekordkurs ist. "Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn streben wir neue Bestmarken an", sagte der Noch-Chef am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Fürth. In den mehr als 15 Jahren unter seinem Vorsitz hat Adidas seinen Umsatz verdreifacht, der Gewinn stieg gar um das Fünffache. Für dieses Jahr hob der Konzern mit seinen 54 000 Mitarbeitern bereits zum zweiten Mal die Gewinnprognose auf nunmehr 900 Millionen Euro an.

"Natürlich können wir uns trotz aller Erfolge nicht ausruhen und uns weiter verbessern", betonte Hainer. Auch für den Nachfolger gebe es noch Arbeit, merkten auch die Aktionäre an - insbesondere in den USA. Seit Adidas 2014 von dem kleineren Rivalen Under Armour auf diesem wichtigen Markt überrundet wurde, liegen die Herzogenauracher nur noch auf Platz drei. Weltmarktführer Nike ist meilenweit entfernt. Außerdem lässt die Profitabilität im Vergleich zum großen Konkurrenten noch zu wünschen übrig. Nikes Gewinnmarge lag zuletzt mehr als doppelt so hoch. Viel Arbeit also für Rorsted, der bei Henkel bewiesen hat, dass er ein Unternehmen auf Rendite trimmen kann.

Teuer kommen Adidas vor allem Marketingaktivitäten zu stehen. Derzeit fließt viel Geld in Werbung und die Verpflichtung von Top-Fußballclubs oder einzelnen Sportstars. Der Wettbewerb auf diesem Feld ist hart: Erst am Dienstag gab Adidas bekannt, dass der englische Premier-League-Fußballclub FC Chelsea vorzeitig aus dem langjährigen Ausrüstervertrag aussteigt. Medienberichten zufolge hofft der Club auf einen zahlungswilligeren Sponsor.

Dafür muss sich Rorsted - wenn alles schnell geht - nicht mehr mit dem Sorgenkind von Adidas rumschlagen: dem schwächelnden Golfgeschäft. In der vergangenen Woche hatte Adidas angekündigt, die defizitären Golfmarken Taylormade, Ashworth und Adams zu verkaufen und sich nur noch auf Golfbekleidung und -schuhe zu konzentrieren. Hainer hat die Verkaufsverhandlungen eingeleitet, möglicherweise schließt er sie in seinen letzten Monaten bei Adidas auch noch ab.
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