Energiekonzern Shell stillt Hunger nach Gas

Handschlag der Chefs: Ben van Beurden (links, Shell) und Andrew Gould (BG Group). Bild: dpa

Die vom niedrigen Ölpreis gebeutelte Energiebranche horcht auf: Shell greift tief in die Tasche und will mehr als 60 Milliarden Euro für die Übernahme des britischen Gasförderers BG bezahlen. Beide wollen sich künftig auf Großprojekte konzentrieren.

Der britisch-niederländische Energiekonzern Shell will den britischen Gasförderer BG Group übernehmen. 47 Milliarden Pfund (64 Milliarden Euro) in bar und in Aktien legt Shell dafür auf den Tisch, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten.

"Wir gehen davon aus, dass das Geschäft Anfang 2016 perfekt gemacht werden kann", sagte Andrew Gould, Chairman der BG Group mit Sitz im britischen Reading, westlich von London. Shell will sich gemeinsam mit dem Partner künftig vor allem auf die Stärken bei Tiefseebohrungen und beim Flüssiggas (LNG) konzentrieren. "Wir werden das Unternehmen auf eine kleinere Zahl von Operationen, dafür aber größeren Ausmaßes fokussieren", sagte der Shell-Vorstandsvorsitzende Ben van Beurden bei einer Präsentation.

Shell steht unter Druck

Für Shell wäre es der größte Zukauf seit der 41,7 Milliarden Pfund schweren Fusion des niederländischen und des britischen Zweiges 2005. Mit der Übernahme würden der größte und der drittgrößte Gasproduzent Großbritanniens zusammengehen.

Shell steht wegen des Verfalls des Ölpreises massiv unter Druck. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die Investitionen weltweit deutlich zurückgeschraubt. In den nächsten drei Jahren will der Konzern auf ursprünglich geplante Investitionen in Höhe von 15 Milliarden Dollar verzichten. Allein im vergangenen Jahr seien Firmenwerte in gleicher Größenordnung verkauft worden. Shell (weltweit 94 000 Mitarbeiter) machte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 421,1 Milliarden Dollar einen Gewinn von 19,7 Milliarden Dollar. BG hatte im vierten Quartal fünf Milliarden US-Dollar abschreiben müssen - so viel wie noch nie. Das lag vor allem daran, dass Vermögensgegenstände in Australien wegen des Verfalls der Rohstoffpreise deutlich an Wert verloren hatten.
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