Energiewende bei Eon

Das frühere Hauptgeschäft mit Atom, Kohle und Gas will Eon abgeben. Künftig will sich der hochverschuldete Energiekonzern auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren. Bild: dpa

Eon kappt seine Wurzeln - die Energieerzeugung mit Atom, Gas und Kohle. Künftig will der Konzern von Wind- und Sonnenenergie und modernen intelligenten Netzen leben. Ein radikaler Schritt für die ganze Branche.

Mehr als drei Jahre Kampf gegen bröckelnde Gewinne waren Eon-Konzernchef Johannes Teyssen genug. Er hat Randgeschäfte für Milliardenerlöse verkauft, in Schwellenländer investiert, hart am Personal gespart und die eigene Gasförderung ausgebaut - alles ohne wirklich durchgreifenden Erfolg. Jetzt wagt der 55-Jährige den radikalen Schritt. Eon lagert fast das gesamte Geschäft mit der Erzeugung von Energie - Atom, Gas und Kohle - in eine neue Gesellschaft aus.

Es ist eine Revolution für Eon und die gesamte Branche. Deutschlands größter Energieversorger besiegelt das Ende des klassischen Versorgers, der von der Rohstoffförderung über die Stromproduktion und den Transport bis zum Vertrieb alles abdeckte. "Das gesamte Geschäft wurde von den großen Produktionsanlagen her gedacht und gesteuert", sagt Teyssen am Montag. "Das ist die uns allen vertraute, 100 Jahre alte Energiewelt der großen Anlagen, Handels- und Absatzmengen."

In dieser Welt soll künftig aber nur noch ein neuer Eon-Ableger zu Hause sein - der Konzern will sich dagegen nur noch um die neue Welt kümmern. In dieser geht es um eher dezentrale Gewinnung von Energie aus Ökostromanlagen. Netze bringen darin nicht nur den Strom, sie holen ihn auch beim Sonnen-, Wind- und Biogasproduzenten ab. Das bringt ganz neue Anforderungen an eine intelligente Nutzung von Netzen, die Speicherung von Strom und die Steuerung des Verbrauchs.

Klassenbester werden

Schon 2015 steckt Eon mehr Geld in Wind- und Sonnenenergie. Die Netze, die bisher als Brot- und Buttergeschäft galten, werden für Teyssen zur entscheidenden Drehscheibe. Und da will der Konzern künftig ganz vorn mitspielen - Klassenbester werden, wie Teyssen es nennt. "Die neue Energiewelt steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber nach unserer Überzeugung schneller wachsen als die klassische."

"Wir sind davon überzeugt, dass Energieunternehmen sich grundsätzlich auf eine der beiden Welten fokussieren müssen", sagt Teyssen. Dabei will er den Anschein vermeiden, dass das alte Geschäft keine Wachstumschancen habe. Von einer "Bad Bank" will er nichts wissen. Davon hatten in ersten Reaktionen Kritiker gesprochen - in Anlehnung an das Vorgehen der Banken nach der Finanzkrise, die in solchen Abwicklungseinheiten ihre "Giftpapiere" bündelten.

Die Aussichten für die künftige Gesellschaft seien sogar sehr gut, betont dagegen Teyssen. Er muss allerdings auch den Spagat schaffen, Investoren für das neue Unternehmen zu überzeugen, obwohl in der Erzeugung die Gewinne massiv wegbrechen. Es gebe ja noch die Gasförderung und das Speichergeschäft. Und der Energiehandel sei finanziell hoch attraktiv, betont Teyssen. Auch für die klassische Erzeugung verbesserten sich die Aussichten wieder, weil sie als Rückgrat für eine Energieversorgung gebraucht werde und viele Länder dies künftig honorieren würden.

Erst recht nichts will Teyssen davon wissen, dass sich Eon nach vielen "fetten" Kernenergie-Jahren mit hohen Gewinnen nun auf galante Weise von den Atom-Altlasten trennen könnte, wie Kritiker befürchten. Es gebe keinen Atomkonzern weltweit, der höhere Rücklagen gebildet habe. Diese gingen komplett an die neue Gesellschaft über, betont er. Zudem werde sie ohne Finanzschulden an den Start gehen. "So stellt man kein Unternehmen auf, an dessen Zukunft man nicht glaubt", sagt Teyssen.
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