Erstes Defizit seit zwölf Jahren
Bahn macht Verlust von 1,3 Milliarden Euro

Ist da noch wer drin? Während im vergangenen Jahr mehr Menschen in den Fernzügen der Deutschen Bahn unterwegs waren, ist die Zahl der Reisenden in den Zügen und Bussen der DB Regio gesunken. Archivbild: dpa
 
Bahnchef Rüdiger Grube neben einem ICE-Zugmodell. Bild: dpa

Bahnchef Rüdiger Grube muss bei der Jahresbilanz erstmals einen Verlust verkünden. Die Gründe dafür sind nicht nur im schwächelnden Schienengüterverkehr zu suchen.

Berlin. Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr trotz eines Rekordumsatzes einen hohen Verlust gemacht. Unterm Strich stand ein Minus von 1,3 Milliarden Euro, wie das bundeseigene Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Es ist das erste Defizit seit zwölf Jahren. Im Jahr 2014 hatte die Bahn noch einen Gewinn von 988 Millionen Euro verbucht. Als Gründe für den Verlust nannte der Konzern zum Beispiel Sonderabschreibungen im Schienengüterverkehr und Sonderbelastungen durch den Konzernumbau.

Verkehrsleistung rückläufig


Die Verkehrsleistung der Güterbahn DB Cargo ging 2015 um 4,3 Prozent zurück. Aber auch im Personenverkehr lief es nicht rund. So sank die Zahl der Reisenden in den Zügen - dazu zählen auch S-Bahnen - und Bussen der Regionalverkehrstochter DB Regio um rund 30 Millionen oder 1,2 Prozent auf 2,5 Milliarden. Dagegen fuhren mehr Menschen mit Fernzügen: Die Zahl der Fahrgäste in ICEs und Intercitys stieg um 2,9 Millionen oder 2,2 Prozent auf 132 Millionen. Dies sei erfreulich, sagte Bahnchef Rüdiger Grube bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Berlin, insgesamt aber sei festzustellen: "Wir haben nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen haben." So liege auch das operative Ergebnis deutlich unter dem Vorjahreswert, "nicht zuletzt beeinträchtigt durch die Streiks" der Lokführergewerkschaft GDL, fügte er hinzu. Die Bahn nannte als Kennzahl für das laufende Geschäft ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 1,76 Milliarden Euro. Das seien 350 Millionen Euro oder 16,6 Prozent weniger als der entsprechende Wert im Jahr zuvor. Der Umsatz des Konzerns erhöhte sich um 748 Millionen Euro oder 1,9 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro.

"Wir müssen nachhaltig besser werden", räumte Bahnchef Grube ein. "Deshalb haben wir im vergangenen Jahr den Konzernumbau eingeleitet und das Programm ,Zukunft Bahn' gestartet, um bei der Qualität für unsere Kunden spürbar besser und damit auch wirtschaftlich erfolgreicher zu werden." Das Programm sieht vor, den Zugverkehr pünktlicher und attraktiver zu machen, etwa mit einer besseren Steuerung des Zugverkehrs und früherer Fehlererkennung bei Störungen im Netz. Zu Grubes Plänen gehört auch ein Teilverkauf der profitablen Auslandsverkehrstochter DB Arriva und der Spedition DB Schenker Logistics.

Verladestellen in Gefahr


Informationen aus dem Aufsichtsrat zufolge will die Deutsche Bahn rund 500 der 1500 Güterverladestellen in Deutschland zu schließen. Damit wäre der Verlust von rund 3500 Arbeitsplätzen verbunden, hieß es am Dienstagabend aus dieser Quelle. Dies habe der Vorstand dem Aufsichtsrat bei dessen Sitzung in Berlin als eines von mehreren Szenarien vorgestellt. Eine Bahnsprecherin stellte klar: "Wir untersuchen derzeit weit weniger als 500 Güterverkehrsstellen." Zum möglichen Abbau von Arbeitsplätzen und Schließung von Verladestellen gebe es noch keinerlei Beschlüsse. Klar sei auch, dass beim Konzern "niemand arbeitslos wird, denn es besteht ein umfassender tarifvertraglich verankerter Schutz der Mitarbeiter und gleichzeitig ein hoher Personalbedarf in anderen Bereichen des DB-Konzerns".
Wir müssen nachhaltig besser werden.Bahn-Chef Rüdiger Grube
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.