Es geht weiter abwärts
Milchpreis macht Bauern sauer

 
Attacke auf Agrarminister: Milchbauern wollen mit einer zweiwöchigen Protestaktion den Druck auf Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erhöhen. Der des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wirft ihm Einfallslosigkeit sowie eine "Verweigerungshaltung" bei dringend notwendigen "Marktanpassungsmaßnahmen" vor. Schmidt sei "überflüssig" so der BDM. Bild: dpa

Ein Milchpreis von nur noch knapp 20 Cent pro Liter - das treibt jetzt Milchbauern auf die Barrikaden. Im fränkischen Neustadt/Aisch wollen sie mit einer Dauerkundgebung vor dem Wahlkreisbüro von Landwirtschaftsminister Schmidt auf ihre Nöte aufmerksam machen.

Neustadt/Aisch. Im Streit um sinkende Milchpreise haben Milchviehhalter am Dienstag den Druck auf Politik und Molkereien erhöht. Vor allem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wollen sie "auf die Pelle zu rücken". Dazu starteten sie am Dienstag eine Dauerkundgebung vor dessen Wahlkreisbüro in Neustadt/Aisch. Der Verband wirft Schmidt eine "Verweigerungshaltung" bei dringend notwendigen "Marktanpassungsmaßnahmen" vor. An einer Auftaktkundgebung nahmen nach Polizeiangaben rund 300 Milchviehalter teil. Etliche Bauern rückten dabei mit ihren Traktoren an. Auf Transparenten hieß es unter anderem "Milchpreis nach Maß - nicht maßlos" und "Mengen müssen runter". Nach Angaben des regionalen BDM-Teamleiters Peter Meyer wollen bis 30. Mai, einem Tag vor dem "Tag der Milch", zwischen drei und fünf Milchbauern vor dem Wahlkreisbüro für eine Lösung in der Milchpreisfrage demonstrieren. Die Nächte verbringen die Protestierenden in einem vor dem Büro aufgestellten Wohnwagen.

Der Milchpreis ist nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" inzwischen auf 18 bis 19 Cent je Liter gesunken. Im März hatten in Deutschland große Molkereien noch um die 24 Cent je Liter gezahlt. Wegen eines Überangebots sind die Milchpreise im Keller. Um kostendeckend wirtschaften zu können, bräuchten die rund 75 000 Milchbauern in Deutschland einen Erzeugerpreis von etwa 40 Cent pro Liter.

Ende Mai Milchgipfel


Die Bundesregierung will ihnen mit einem mindestens zweistelligen Millionenbetrag helfen, über den Ende des Monats bei einem Milchgipfel gesprochen werden soll. Agrarminister Schmidt betonte erneut, dass die Überproduktion den Preis drücke und auch dort die Lösung liege. Eine Rückkehr zu einer Quotenregelung, um die Milchmenge zu verringern, lehnt er weiter ab, stellte aber zugleich Hilfen für die Bauern in Aussicht. Denkbar seien etwa Bürgschaften für Kredite. Zugleich kritisierte Schmidt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für seine Entscheidung, die Fusion der Supermarktketten Edeka und Kaiser's Tengelmann zu genehmigen. "Wir müssen eine weitere Konzentration der Supermärkte vermeiden. Kleine Bauern haben gegen die Handelsriesen kaum eine Chance", sagte Schmidt.

Anfang Mai hatte der Discount-Marktführer Aldi die Preise für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent heruntergesetzt - das hat Signalwirkung für den gesamten Handel. Bei den Erzeugern kommt davon ebenfalls weniger an. Am Ende werde aber nur eine Verringerung der Milchmenge helfen, sagte Schmidt. "Nur wenn weniger Milch auf den Markt kommt, steigt der Preis."

Aldi Nord hatte wie auch andere Händler die weiteren Preissenkungen mit dem Überangebot auf dem weltweiten Milchmarkt begründet. Die Molkereien hätten deshalb die Milch billiger angeboten. Das werde dann auch an die Verbraucher weitergegeben. Der Handel sei nicht für das aktuelle Überangebot an Rohmilch verantwortlich.

Beratungen in Brüssel


Am Dienstag stand das Thema auf der Agenda der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel. Die freiwillige Marktstabilisierung habe noch nicht gegriffen, sagte der österreichische Ressortchef Andrä Rupprechter am Dienstag in Brüssel. Die EU hatte unter anderem den Weg für freiwillige, zeitlich begrenzte Mengenreduzierungen in den EU-Staaten für Milchprodukte freigemacht. Produzenten können sich bei den Produktionsmengen absprechen, ohne kartellrechtlich in Probleme zu geraten. Voraussichtlich im Sommer soll auf EU-Ebene darüber beraten werden, wie wirksam die getroffenen Maßnahmen und ob weitere nötig sind.
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