Es gibt Nachholbedarf
Handwerk braucht auch Digitalisierung

Seehofer zückt das Messer: Bei seinem Rundgang über die Internationale Handwerksmesse in München machte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auch Halt an einem Stand des deutschen Fleischerverbandes. Bild: dpa

Tischler mit computergesteuerten Fräsmaschinen und Dachdecker mit Drohnen: Auch im Handwerk hält die Digitalisierung Einzug. Aber es gibt Nachholbedarf.

München. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hat das deutsche Handwerk aufgefordert, die Chancen der Digitalisierung stärker zu nutzen. Wer das Thema "nicht aktiv angeht, wird in fünf oder zehn Jahren nicht mehr in der Wirtschafts- und Arbeitswelt sein", mahnte Oettinger in einer Videobotschaft aus Brüssel zur Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse am Mittwoch in München.

Der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte, die Messe sei auch eine Leistungsschau in Sachen Digitalisierung: "Wir werden den Betrieben zeigen, was jetzt schon möglich ist in den einzelnen Branchen." Der bayerische Handwerkspräsident Georg Schlagbauer sagte, vom Einsatz von Drohnen im Dachdecker-Handwerk bis zu 3-D-Druckern und CNC-Fräsmaschinen sei die Digitalisierung aus dem Handwerk nicht mehr wegzudenken. Aber die Industrie dränge verstärkt in die Produktion von Kleinserien - deshalb müsse das Handwerk die Chancen der Digitalisierung noch stärker nutzen.

Kompetenzzentrum


Wie die Handwerkskammer für Oberfranken mitteilte, werde sie im bundesweiten "Kompetenzzentrum Digitales Handwerk" (KDH) eine herausragende Rolle übernehmen. Als einem von vier Standorten bundesweit werde ihr die Führung im Themenfeld "digitale Produktions- und Automatisierungstechnologien" übertragen. Das habe die parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Iris Gleicke, in München angekündigt. Ziel des Kompetenzzentrums ist es, Handwerksunternehmen bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen zu unterstützen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und neue Geschäftsfelder im Kontext der Digitalisierung zu erschließen.

Der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen sei zwar gestoppt. Aber das Handwerk brauche ein "Berufsabitur", bei dem wie in Österreich und der Schweiz Ausbildungsabschluss und Abitur in Einem ermöglicht werden. Ministerpräsident Horst Seehofer sagte seine volle Unterstützung zu, sieht aber Widerstand: Die zuständige "Kultusministerkonferenz ist eine Konferenz der besonderen Art".

Zweijähriges Bleiberecht


In den nächsten Jahren will das Handwerk 10 000 Flüchtlinge "vorqualifizieren". Vielen fehlten Schulbildung und Sprachkenntnisse, sagte Wollseifer. Aber wenn man Orientierung gebe und Integrationsbereitschaft einfordere, sei er zuversichtlich, dass ein hoher Prozentsatz in eine Ausbildung vermittelt werden könne. Staatssekretärin Gleicke sagte, der Bundestag wolle Flüchtlingen nach Abschluss einer Ausbildung ein zweijähriges Bleiberecht zusichern.

Auf der Handwerksmesse zeigen mehr als 1000 Aussteller bis zum 1. März ihr Angebot. Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Freitag zum Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft auf die Messe kommen.
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