Etappensieg für Kleinaktionäre

Hoch hinaus sollte es mit der T-Aktie, dem Papier der Deutschen Telekom, gehen. Aber vielen Anlegern brockte der sinkende Börsenkurs zum Teil hohe Verluste ein. Heute halten Privatanleger nur rund 16 Prozent der Anteile. Die Staatsbank KFW und der Bund halten zusammen knapp 32 Prozent, institutionelle Anleger insgesamt rund 52 Prozent. Archivbild: dpa

Die Deutsche Telekom hat bei ihrem dritten Börsengang schwerwiegende Falschangaben gemacht. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) festgestellt. Die getäuschten Anleger sehen sich dem erhofften Schadenersatz näher.

Im größten deutschen Anlegerschutzprozess hat die Deutsche Telekom vor dem BGH eine schwere Schlappe erlitten. Die rund 17 000 klagenden Kleinaktionäre können auf Schadenersatz hoffen, weil die Richter in dem Verkaufsprospekt für die Aktien einen schwerwiegenden Fehler entdeckt haben. Der Prospekt zum sogenannten dritten Börsengang im Juni 2000 sei "objektiv falsch", erklärte der XI. Zivilsenat in seinem am Donnerstag in Karlsruhe veröffentlichten Beschluss.

Die Richter störten sich an den Informationen des Konzerns zu einem Aktienpaket, das die Telekom vor der Jahrtausendwende am US-Konkurrenten Sprint hielt. Selbst für einen bilanzkundigen Anleger sei aus dem Prospekt nicht ersichtlich gewesen, dass die Telekom trotz Übertragung der Sprint-Aktien innerhalb des Konzerns das volle Risiko eines Kursverlustes dieser Papiere trug, bemängelten die Richter.

Hoher Buchgewinn

Die Beteiligungsgesellschaft NAB, zu der die Sprint-Beteiligung "umgehängt" wurde, tauchte laut Gericht in dem Prospekt gar nicht auf, dafür aber ein Buchgewinn von 8,2 Milliarden Euro beim Mutterkonzern. Die so geschönte Bilanz war die wichtigste Grundlage für den Verkaufsprospekt, mit dem 230 Millionen T-Aktien aus dem Besitz der staatseigenen KFW-Bank unters Volk gebracht wurden. Rechtmäßig war laut BGH hingegen die umstrittene Gruppen-Bewertung von mehr als 12 000 Immobilien bei der Eröffnungsbilanz der Telekom.

"Ein Fehler reicht, um den ganzen Prospekt zu kippen", sagte die Klägeranwältin Petra Dietenmaier. Der Telekom werde der Beweis sehr schwer fallen, dass der vom BGH aufgezeigte Fehler weder vorsätzlich noch fahrlässig geschehen sei. "Wir bedauern, dass der BGH einen Prospektfehler festgestellt hat", betonte der Konzern in Bonn. Doch habe das Gericht in seiner Entscheidung ausdrücklich offen gelassen, ob daraus eine Schadenersatzpflicht resultiere. Die Telekom hat stets die Rechtmäßigkeit des Prospekts betont.

Nun OLG Frankfurt am Zug

Ob die Telekom tatsächlich bis zu 80 Millionen Euro Schadenersatz leisten muss, ist aber noch Gegenstand einer erneuten Verhandlung bei der Vorinstanz, dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt. Das OLG soll klären, ob die Telekom ein Verschulden an dem Prospektfehler trifft und inwieweit die fehlerhaften Angaben die Entscheidungen der Anleger beeinflusst haben. In den USA hatte die Telekom im Jahr 2005 Aktionären in einem Vergleich 120 Millionen US-Dollar gezahlt, um einer Sammelklage nach US-Recht in der selben Sache zu entgehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Karlsruhe (314)12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.