Experte: An Stromtrassen führt kein Weg vorbei
"Brauchen neue Übertragungsnetze"

Symbolbild: dpa
München. (jum) Peter Franke glaubt nicht an grundlegende Änderungen bei den Plänen für den Ausbau der Höchstspannungsstromnetze in Deutschland. Seine Behörde prüfe derzeit ergebnisoffen neue Aspekte und Ideen zur Sicherstellung der Stromversorgung in Süddeutschland nach Abschalten aller Atomkraftwerke, doch machten diese den Trassenausbau wohl nicht entbehrlich. "Es gibt viele Hinweise, dass das Bundesbedarfsplangesetz aus dem Sommer 2013 weiterhin Bestand haben wird", sagte Franke auf einer Veranstaltung des CSU-nahen Wirtschaftsbeirats Bayern in München.

In diesem seinerzeit von Bundestag und Bundesrat auch mit den Stimmen der CSU verabschiedeten Gesetz ist unter anderem die Notwendigkeit der "Südost-Passage" durch Bayern festgeschrieben. Trotz der von den Kritikern des Trassenausbaus vorgelegten Alternativlösungen gehe er davon aus, dass an den jetzt geplanten Nord-Süd-Verbindungen kein Weg vorbei führe. "All diese Alternativen machen den Netzausbau in wesentlichen Teilen nicht ersetzbar", so Franke. Das gelte für den Bau neuer Gaskraftwerke in Bayern, den Zukauf von Kraftwerksleistung aus Österreich und die dezentrale Stromproduktion.

Im Einzelnen führte Franke aus, dass eine mit Kleinanlagen über Bayern verteilte Energieerzeugung bei der Versorgungssicherheit schnell an ihre Grenzen stoßen würde. Sie sei letztlich nur für die örtliche Versorgung von Privathaushalten geeignet, nicht aber für industrielle Großanlagen. Gegen den Bau mehrerer großer Gaskraftwerke in Bayern sprächen die Kosten, erläuterte Franke. Diese könnten nicht wirtschaftlich betrieben werden und würden so zu deutlich höheren Strompreisen in Bayern führen. "Zwei Strompreiszonen in Deutschland sollte sich niemand wünschen", warnte Franke. Auch Stromimporte aus Österreich würden die Trassenfrage nicht lösen. Die dortigen Kapazitäten seien zur Überbrückung kurzfristiger Versorgungslücken sicher wichtig, könnten den bayerischen Strombedarf aber nicht dauerhaft decken.

Windkraft als Rückgrat

Wie Franke grundsätzlich erläuterte, gebe es derzeit deutschlandweit Überkapazitäten im Kraftwerksbereich - allerdings nicht in Bayern. Der Fehlbedarf werde sich durch die Abschaltung der Kernkraftwerke weiter verschärfen, was Gegenmaßnahmen in Sachen Versorgungssicherheit und Netzstabilität erforderlich mache. Da erneuerbare Energien - und dabei vor allem die vergleichsweise verlässlich zur Verfügung stehende Windkraft - auf lange Sicht das Rückgrat der deutschen Energieversorgung bilden sollen, müsse der Strom aus den windgünstigen Regionen Norddeutschlands zu den großen industriellen Abnehmern in Süddeutschland transportiert werden. "Dazu brauchen wir die neuen Übertragungsnetze", erklärte Franke.
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