Experten sehen kaum Nutzen einer Bargeld-Beschränkung
„Das bringt fast gar nichts“

Frankfurt. Die von der Bundesregierung angedachte Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld wird nach Einschätzung von Experten organisiertes Verbrechen oder Schwarzarbeit kaum eindämmen. "Das bringt fast gar nichts", sagte der Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Bei einem Limit von 5000 Euro könnte die Schwarzarbeit um ein Prozent zurückgehen. Selbst bei einem totalen Bargeldverbot rechnet der Forscher nur mit einem Rückgang um zwei bis drei Prozent. Derzeit liege der Anteil der Schattenwirtschaft bei etwa 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auch die organisierte Kriminalität würde man mit einer Abschaffung des 500-Euro-Scheins und Barzahlungsgrenzen nur wenig treffen. "Die Geldwäsche läuft doch längst weit überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen", sagte Schneider.

Auch der Deutsche Richterbund zeigte sich skeptisch. Es sei relativ einfach, Geldflüsse zu verschleiern und Geldwäsche zu betreiben, sagte Präsidiumsmitglied Peter Schneiderhan. Dies geschehe durch Überweisungsketten und durch die Nutzung von Konten, die unter Verwendung einer falscher Identität eröffnet worden seien. "Die Abschaffung von Bargeld würde daher Terrorismusfinanzierung oder Geldwäsche nur auf elektronische Zahlungswege verlagern." Die große Mehrheit der Bürger in Deutschland hängt zudem an Schein und Münze. Nur jeder Fünfte (21 Prozent) könnte sich ein bargeldloses Leben vorstellen, wie eine Umfrage für den "Focus" ergab. 79 Prozent wollen nicht auf Bargeld verzichten. Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, nannte eine mögliche Abschaffung einen "unnötigen Eingriff in die Freiheit". Ähnlich hatte sich zuvor bereits Bundesbank-Präsident Jens Weidmann geäußert.
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