Exporteure trotzn der Abkühlung der Weltwirtschaft
Außenhandel gewinnt überraschend an Tempo

Besonders vom Handel mit Staaten in der EU profitiert die Exportwirtschaft in Deutschland. Archivbild: dpa

Angetrieben von der Nachfrage in Europa gewinnt der deutsche Export wieder an Tempo. Die Hoffnung wächst, dass die Probleme der Weltwirtschaft weniger stark durchschlagen als befürchtet.

Wiesbaden. Deutschlands Exporteure trotzen der Abkühlung der Weltwirtschaft. Nach einem schwachen Jahresauftakt stiegen die Exporte im Februar unerwartet deutlich. Die Unternehmen führten Waren im Wert von 99,5 Milliarden Euro aus, das waren 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Gegenüber dem Vormonat legten die Exporte um 1,3 Prozent zu.

"Kein Bremseffekt"


Vor allem in Ländern der Europäischen Union stieg die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany". Zum Jahresbeginn hatten die deutschen Exportunternehmen die Probleme der Weltwirtschaft zu spüren bekommen. Im Januar waren die Ausfuhren sowohl zum Vorjahresmonat als auch zum Dezember 2015 gesunken. Vor allem der wichtige chinesische Markt schwächelt, das trifft unter anderem deutsche Maschinenbauer und Autohersteller. Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) wird der globale Handel in diesem Jahr deutlich geringer wachsen als bisher angenommen.

Ökonomen der Bayern-LB erwarten zwar weiterhin keine großen Wachstumsimpulse vom Außenhandel für die deutsche Wirtschaft. "Allerdings bleibt auch ein befürchteter größerer Bremseffekt bislang aus." Selbst die Grenzkontrollen wegen des Flüchtlingszustroms hätten bisher allenfalls geringe Folgen. Der Anstieg der Importe sei zudem ein Zeichen für die robuste Binnenkonjunktur Deutschlands. Die Einfuhren waren im Februar binnen Jahresfrist um 4,0 Prozent auf 79,3 Milliarden Euro geklettert.

Niedriger Euro-Kurs


Sorgen bereitet der Branche ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit). Dieser hätte Folgen für die restlichen EU-Länder, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. "Auf Dauer wird daher auch der künstlich niedrig gehaltene Euro-Kurs es nicht schaffen, den deutschen Außenhandel in diesen turbulenten Zeiten in ruhigem Fahrwasser zu halten." Zwar hatte der Euro zuletzt gegenüber Dollar und Co. an Wert gewonnen, von früheren Höchstständen ist die Gemeinschaftswährung allerdings noch weit entfernt. Ein schwacher Euro macht Waren "Made in Germany" auf dem Weltmarkt günstiger, das kann den Absatz ankurbeln.
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