Exxon-Mobil, BP, Shell und Statoil im Abwärtsstrudel der Ölpreise
Ölmultis in Not

Seit Mitte 2014 ist der Preis von einem Fass Rohöl auf ein Drittel gesunken. Die Öl-Riesen beklagen drastische Gewinneinbrüche. Bild: dpa

Erst Exxon-Mobil und BP, jetzt Shell und Statoil - keiner der großen Rohstoff-Multis kann sich derzeit aus dem Abwärtsstrudel der Ölpreise befreien. Die Gewinne brechen ein, Tausende Jobs fallen weg.

London/Oslo. Die abgestürzten Ölpreise dezimieren die Gewinne der Rohstoffkonzerne und zwingen die Unternehmen zu einem radikalen Sparkurs. Alle internationalen Ölmultis, die bislang ihre Bilanzen für 2015 vorgelegt haben, kündigten dabei weitere Einschnitte an.

Der britisch-niederländische Branchenriese Shell und die norwegische Statoil, die am Donnerstag ihre Zahlen zum vergangenen Jahr veröffentlichten, bilden keine Ausnahme. "Substanzielle Veränderungen" seien angesichts der niedrigen Ölpreise unumgänglich, stellte Shell-Chef Ben van Beurden klar. Der Konzern ist gerade dabei, den Konkurrenten BG Group für Dutzende Milliarden zu schlucken. Durch den Zusammenschluss sollen bis Ende 2016 rund 10 000 Jobs wegfallen.

Anhaltendes Preis-Tief


Inzwischen ist Shell mit seinem Vorhaben fast am Ziel. Nach der Zustimmung der Aktionäre auf beiden Seiten ist der Vollzug laut van Beurden nur noch eine Frage von Wochen. BG soll Shell dabei helfen, die Dividendenzahlungen zu sichern und die Produktion zu erhöhen. Angesichts des anhaltenden Ölpreis-Tiefs müssen sich die Konzerne etwas einfallen lassen. Derzeit pendeln die Preise um die Marke von 30 Dollar je Fass (159 Liter). Mitte 2014 wurden für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent noch mehr als 100 Dollar gezahlt. Entsprechend drastisch brach bei Shell auch der Gewinn ein.

Unter dem Strich verdiente der Konzern 2015 nur noch 1,9 Milliarden US-Dollar (1,73 Milliarden Euro) - fast 90 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch bei Statoil sieht es trübe aus. Er verdiente vor Sonderposten mit 19,5 Milliarden Kronen (2,05 Milliarden Euro) ebenfalls nur noch halb so viel wie im Vorjahr. Inklusive der Sonderbelastungen verbuchte Statoil sogar einen dicken Verlust von 37,3 Milliarden Kronen. Im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von 22 Milliarden Kronen in den Büchern gestanden.

Die Norweger wollen zudem künftig auf eine kassenschonende Form der Aktionärsvergütung zurückgreifen. Anteilseigner haben in den kommenden zwei Jahren die Wahl, ob sie ihre Dividende lieber in bar ausgezahlt haben wollen oder stattdessen Aktien zu einem günstigeren Preis erwerben. Der norwegische Staat, der mit 67 Prozent zugleich größter Aktionär von Statoil ist, will von der Aktienvariante Gebrauch machen.

Shell bietet seinen Aktionären diese Form der Dividendenzahlung bereits an. Für 2016 stellt der Konzern eine mindestens stabile Gewinnausschüttung in Aussicht und nimmt dafür auch eine höhere Verschuldung in Kauf. Von der Ratingagentur Standard & Poor's wurden Shell und andere Konzerne bereits abgestuft.

Aktionäre im Blick


Auch BP hatte am Dienstag trotz eines Rekordverlusts die Dividende unangetastet gelassen. "Wir wissen, wie wichtig diese für unsere Aktionäre ist", sagte Vorstandschef Bob Dudley. Er würde dafür zur Not weitere Milliarden-Schulden aufnehmen.

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