EZB wartet ab
Für Sparer keine höheren Zinsen in Sicht

Mario Draghi. Archivbild: dpa

Die Währungshüter in der Euro-Zone haben im Grunde alle Register im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche gezogen. Nun wartet die EZB zunächst ab. Höhere Zinsen sind absehbar nicht in Sicht.

Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft ihren Kurs trotz anhaltender Mini-Inflation vorerst nicht. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Unverändert bei minus 0,4 Prozent ließen die Währungshüter bei ihrer Sitzung am Donnerstag in Wien auch den Strafzins, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken statt es als Kredite weiterzureichen. Volkswirte rechnen mit einer längeren Phase ohne Änderungen an der ultralockeren Geldpolitik.

Im März hatten die Währungshüter ihren Kurs verschärft. Erstmals wurde der Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld bekommen, auf Null gesenkt. In Staatsanleihen und andere Wertpapiere steckt die EZB noch mehr Geld: 80 Milliarden Euro monatlich. EZB-Präsident Mario Draghi hatte wiederholt erklärt, das Kaufprogramm werde bis mindestens März 2017 aufrechterhalten. Vom 8. Juni an will die Notenbank auch Unternehmensanleihen kaufen.

Die Geldflut soll die Kreditvergabe ankurbeln und so Wachstum und Inflation anschieben. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko, weil Unternehmen und Verbraucher in Erwartung sinkender Preise Investitionen aufschieben könnten. Der Druck auf die EZB, nochmals nachzulegen, hat zuletzt etwas nachgelassen. Zwar lag die Inflationsrate im Euro-Raum im Mai laut vorläufigen Zahlen mit minus 0,1 Prozent weiter im negativen Bereich. Die Jahresrate dürfte sich nach Einschätzung von Ökonomen aber zum Jahresende hin in Richtung ein Prozent bewegen. Denn die niedrige Inflation ist zum großen Teil auf den drastisch gesunkenen Ölpreis zurückzuführen - und in den vergangenen Monaten wurde der Schmierstoff der Weltwirtschaft wieder teurer. Zudem stellten sich die konjunkturellen Aussichten für den Euro-Raum zuletzt günstiger dar als zu Jahresbeginn. Dennoch halten es Volkswirte für unwahrscheinlich, dass Europas Währungshüter bald die Wende zu steigenden Zinsen einläuten könnten. Kritiker halten die Wirkung der Geldflut für begrenzt, die Nebenwirkungen bekommen zum Beispiel Sparer zu spüren: Anlagen wie Tages- und Festgeld werfen kaum noch Rendite ab.

Als ein Konjunkturrisiko wertet die Notenbank die anstehende Brexit-Abstimmung. "Großbritannien und Europa ergänzen sich gegenseitig, es würde beiden helfen, wenn das Vereinigte Königreich in der EU bleibt. Wir als EZB meinen, dass das Vereinigte Königreich in der EU bleiben sollte", bekräftigte Draghi. Die EZB habe jedoch Vorkehrungen getroffen: "Wir sind für beide Fälle vorbereitet."

Draghi: Bargeld bleibtNach dem EZB-Beschluss zum Aus für den 500-Euro-Schein ist Notenbank-Präsident Mario Draghi Sorgen vor einer Abschaffung des Bargelds entgegengetreten.

"Unsere Entscheidungen zum 500-Euro-Schein haben nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun mit der Abschaffung oder der möglichen Abschaffung von Bargeld", betonte Draghi am Donnerstag in Wien. Der 500er werde im Gegenteil dadurch ersetzt, dass mehr 200-Euro-Scheine gedruckt würden. Anfang Mai hatte die EZB beschlossen, die Ausgabe des 500-Euro-Scheins "gegen Ende 2018" einzustellen. Begründet wurde der Schritt mit dem Kampf gegen kriminelle Geschäfte.

Die im Umlauf befindlichen 500er bleiben gesetzliches Zahlungsmittel und sollen unbegrenzt umtauschbar sein. Die anderen hohen Banknoten, der 200er und der 100er, soll es weiterhin geben. (dpa)
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