Fälscher bauen sogar Anlagen nach

Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer schlagen Alarm: Ihre Produkte genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Doch das ruft immer mehr Fälscher auf den Plan.

"71 Prozent der Unternehmen sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Der geschätzte Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau beträgt 7,9 Milliarden Euro jährlich", rechnete am Dienstag der Branchenverband VDMA vor - und schließt sowohl Fälschungen als auch Plagiate mit ein. Der Unterschied: Plagiate haben dasselbe Design wie das Original, werden aber unter einer anderen Marke verkauft. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht, mahnt Steffen Zimmermann, VDMA-Experte für dieses Thema: "Das Thema Digitalisierung wird das Thema Produktpiraterie noch verschlimmern: Dadurch können die Daten und das Know-how einfacher abfließen."

Der Umsatz in der Schadenshöhe von 7,9 Milliarden Euro würde der deutschen Schlüsselindustrie knapp 38 000 Arbeitsplätze sichern. Dabei sitzen die Täter meistens nicht Hinterhofwerkstätten, wie Zimmermann berichtet: "In über 70 Prozent der Fälle ist ein Wettbewerber der Plagiator, zum Teil als Auftraggeber für Firmen in China oder Indien." Nur gut 27 Prozent der Plagiate kommt nach einer VDMA-Umfrage aus "Underground Factories". Dahinter folgen Kunden und Zulieferer. Nachbauten sind für Käufer interessant, weil sie deutlich billiger sind als das Original. "Der Preisunterschied liegt daran, dass Entwicklungskosten wegfallen, dass weniger Marketingkosten anfallen, oder dass das Produkt weniger Features hat", erklärt Zimmermann: "Oder daran, dass schlechtere Rohmaterialien verwendet werden." Deshalb halte ein Plagiat vielleicht auch nicht wie versprochen 10 000 Stunden, sondern nur 2000 Stunden. Außerdem werden in China niedrigere Gehälter bezahlt als hierzulande. Immerhin laufe die Zusammenarbeit mit den Behörden in China immer besser. "Auch die Chinesen wollen, dass das Thema Plagiate vom Tisch kommt", sagt er.
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