Familienkrach bei Aldi
Im Norden läuft es nicht mehr rund

Die Kundin trägt in einer Einkaufstüten von Aldi-Nord (vorne) und Aldi-Süd ihre Einkäufe. Archivbild: dpa

Zusammen sind Aldi Nord und Süd unangefochten die Nummer eins im deutschen Discountmarkt. Doch es gärt im Reich des Riesen. Die Unternehmen haben sich auseinanderentwickelt. Und im Norden sorgt ein Familienkrach für unerwünschte Schlagzeilen.

Düsseldorf. Ein Familienstreit in der Albrecht-Dynastie erlaubt in diesen Tagen ungewohnte Blicke hinter die Fassade des sonst so verschlossenen Handelsriesen und wirft ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Wege, die die beiden unabhängigen Teile des Discounterimperiums - Aldi Nord und Aldi Süd - in den vergangenen Jahren gegangen sind.

Für Schlagzeilen sorgt dabei zur Zeit vor allem der Sohn des Aldi-Nord-Gründers, Theo Albrecht jr.. Er wirft der Witwe seines 2012 gestorbenen Bruders Berthold vor, mit ihren Bemühungen um mehr Einfluss auf die Familienstiftung dem letzten Willen ihres Mannes zuwiderzuhandeln und damit dem Unternehmen zu schaden. "Mein Bruder würde sich im Grab rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft", schimpfte der Unternehmer in einem Interview. Die Witwe Babette Albrecht und ihre Kinder weisen den Vorwurf, gegen den Unternehmenssinn zu handeln, nach Angaben ihres Anwalts allerdings entschieden zurück. Der öffentliche Streit im Hause Albrecht kommt für Aldi Nord zu einer denkbar unpassenden Zeit. Denn schon vor den jüngsten Turbulenzen hat die Nordhälfte des Aldi-Reiches gegenüber dem Süden an Boden verloren.

Die Firmengründer Karl und Theo Albrecht hatten den gemeinsam aufgebauten Billiganbieter - der Name steht für Albrecht Diskont - schon in den 60er Jahren in zwei voneinander unabhängige Unternehmen aufgeteilt: Aldi Nord für Theo und Aldi Süd für Karl. Der Grund für die Aufspaltung ist bis heute unbekannt. Doch läuft seitdem der sogenannte Aldi-Äquator quer durch Deutschland. Die Stadt Essen etwa gehört zu Aldi Nord. Das benachbarte Mülheim an der Ruhr zu Aldi Süd. Auch die Welt haben die Brüder später aufgeteilt. So gehören Frankreich, Belgien, Spanien und Polen zu Aldi Nord - Großbritannien, Australien, Österreich und die Schweiz zu Aldi Süd. Nur in den USA sind beide Unternehmen vertreten - Aldi Nord allerdings unter dem Namen Trader Joe's.

Zwar arbeiten die Unternehmen bis heute an vielen Stellen eng zusammen, dennoch haben sie sich deutlich auseinanderentwickelt. "Aldi Nord hält stärker als der Süden am klassischen Hard-Discount fest. Aldi Süd ist innovativer. Sie sind einfach mutiger, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren, und sie sind erfolgreicher", beschreibt Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU die Unterschiede. Beispiele für die Innovationsfreudigkeit gibt es viele: So ist es Aldi Süd, das bei der Aufnahme von Markenartikeln wie Coca-Cola, Lenor oder Pampers in die Aldi-Regale den Takt vorgibt. Auch beim Laden-Design setzt Aldi Süd die Maßstäbe. "Die Märkte wirken moderner und freundlicher", sagt Fassnacht.

Die Unterschiede zwischen den Schwesterfirmen spiegeln sich inzwischen auch in den Umsatzzahlen. Nach Schätzungen des Handelsforschungsinstituts EHI lagen die Umsätze von Aldi Süd in Deutschland im vergangenen Jahr mit 14,5 Milliarden Euro mehr als drei Milliarden Euro höher als die von Aldi Nord.
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