"Farbe für die Republik"
Fotobücher

Auf Seite 145 taucht sie auf: die Traktoristin. Genauer: eine "Traktoristin der LPG Semlow". Geschenkt. Bei dem Porträt geht es nicht um detaillierte Daten, sondern ums große Ganze. Die Traktoristin ist in den 1960er Jahren die stille Heldin der DDR. Eine Symbolfigur für den Aufbruch und programmatische Gleichberechtigung. Genauso ist die Aufnahme auch angelegt: von unten auf dem Fahrersitz des Traktors posierend fotografiert wirkt die Frau mit dem leicht verklärten Blick wie eines der Arbeiterdenkmäler im Ostblock-Chic. Dieser Ikone hauchen Dreck auf Reifen und Gaspedal sowie der Umstand, dass sie farbig ist, noch etwas Realitätsnähe im existierenden Sozialismus ein.

Die Aufnahme von Martin Schmidt aus dem Jahr 1966 ist Teil des bemerkenswerten Bildbands "Farbe für die Republik - Fotoreportagen aus dem Alltagsleben der DDR". Der Titel wirkt zunächst eindeutig, aber unter "Fotoreportagen" darf man sich nicht Bildstrecken in westlicher Pressemanier vorstellen. Schmidt und Co-Autor Kurt Schwarzer waren zwar freischaf-fende Bildjournalisten in der DDR, aber entsprechend den Auftraggebern - darunter VEBs und Magazine der Auslandspropaganda - wirken die meisten "Alltagsszenen" für die Kamera arrangiert. Bilder aus dem Arbeitsleben unterscheiden sich dabei nicht auffällig von solchen, die man auch in westlichen Fabriken zu PR-Zwecken geschossen hat.

Das Buch ist ein erbauliches Stück Zeitgeschichte mit 300 Bildern zweier großartiger Fotografen. Vor allem in den wenigen unverkrampften Aufnahmen von Menschen, etwa von Bewohnern eines Altenheims in Berlin-Köpenick, zeigen sie, wie angenehm sich das wahre Leben vom Abziehbild der SED-Propaganda unterschieden hat. (za)

Martin Schmidt, Kurt Schwarzer, Deutsches Historisches Museum (Herausg.), "Farbe für die Republik - Fotoreportagen aus dem Alltagsleben der DDR", Quadriga-Verlag, 304 Seiten, 29,99 Euro

"Jäger des Lichts"

Mit einer Hundertfünfundzwanzigstel Sekunde Belichtungszeit hat Ingo Arndt das Dreifinger-Faultier im Regenwald aufgenommen. Es hätte auch etwas mehr sein dürfen. Das zottelige Viech ist, wie der Autor bemerkt, "das langsamste Säugetier überhaupt". Nicht alle Motive in dem Bildband "Jäger des Lichts" haben so stillgehalten. Nicht Arndts Bartkauz im Jagdflug, nicht David Hettichs Tigerhai oder Markus Mauthes vor-überziehende Flamingos. Auch nicht die wabernden Polarlichter von Bernd Römmelt oder die kämpfenden Eisbären von Florian Schulz.

Diese fünf Naturfotografen stellen die Aufnahmen für den faszinierenden Bildband aus dem Knesebeck-Verlag, der eine Bestandsaufnahme der gehobenen Naturfotografie ebenso ist wie eine Hommage an unseren Planeten - jedenfalls an die Teile, die intakt sind. Denn ob es Gletscherwelten sind, wandernde Meeresschildkröten oder ein jagender Jaguar - die Bilder der fünf Naturfotografen geben einen Idealzustand der Schöpfung wieder, wie er in weiten Teilen der Erde vernichtet oder zumindest stark bedroht ist. Wer darüber hinwegsieht, kann sich an dem Werk der fünf befreundeten Fotografen und des Textautors Martin Rasper satt sehen. Eine erlebnisreiche Lektüre zu Lande, zu Wasser und in der Luft. (za)

Martin Rasper et al., "Jäger des des Lichts - Abenteuer Naturfotografie", Knesebeck-Verlag , 192 Seiten, 34,95 Euro.
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