Feierliche Grundsteinlegung für neuen Bahnhof
Stuttgart 21 ein "Geschenk"

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, in der Baustelle zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Mit Architekt Christoph Ingenhoven legte er am Freitag den Grundstein. Bild: dpa

"Historischer Tag" ist ein Begriff, der bei der Grundsteinlegung für Stuttgart 21 häufig bemüht wird. Befürworter sehen die Feier als Zeichen, dass das Projekt endgültig unumkehrbar ist. Die Gegner wittern immer noch eine Chance für ein alternatives Konzept.

Stuttgart. Bahnchef Rüdiger Grube hat bei der Grundsteinlegung für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 Vorwürfe einer Kostenexplosion zurückgewiesen. Zwar seien bei der jüngsten Bestandsaufnahme neue Kostenrisiken entdeckt worden, doch dafür gebe es genügend Vorsorge. "Selbst wenn alle Risiken eintreten, bliebe Stuttgart 21 im Rahmen von 6,5 Milliarden Euro", betonte er am Freitag in Stuttgart. Am Rande der Zeremonie gab es Proteste von etwa 150 Gegnern. Vor sechs Jahren wollten Kritiker Stuttgart 21 mit Massenprotesten verhindern, die teils blutig ausgingen.

Die Grundsteinlegung war der Startschuss für das Fundament des neuen Tiefbahnhofs, der seit Februar 2010 im Bau ist. Unmittelbar vor der Feier war ein Prüfbericht des Bundesrechnungshofes bekannt geworden. Dem Vernehmen nach kommt dieser in einem gesonderten Bericht auf einen Kostenrahmen von bis zu zehn Milliarden Euro. Grube äußerte sich verwundert. Die Kontrolleure seien weder auf der Baustelle gewesen noch hätten sie nach Daten gefragt. Der Zeitplan, der eine Inbetriebnahme 2021 vorsieht, sei zwei Jahre im Verzug, sagte Grube. Das Datum sei deshalb "außerordentlich ambitioniert". Er betonte: "Aber es ist zu schaffen." Bundesverkehrsstaatssekretär Norbert Barthle (CDU) sprach von einem "hochpolitischen Projekt". Es habe den ersten Volksentscheid in Baden-Württemberg ausgelöst. Dabei hatte im November 2011 eine Mehrheit der Baden-Württemberger für das Vorhaben plädiert. Vor diesem Hintergrund könne er nicht verstehen, "dass weder der Ministerpräsident, noch der Landesverkehrsminister noch der Oberbürgermeister der Stadt seinen Terminplan so sortieren konnte, dass eine Anwesenheit möglich wäre", betonte Barthle. Die Politiker der Grünen, die lange gegen das Vorhaben gekämpft hatten, waren der Einladung der Bahn mit Verweis auf andere Termine nicht gefolgt.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) vertrat beim Festakt die grün-schwarze Landesregierung. Die Politikerin, Grube, Barthle und weitere Beteiligte füllten und verschlossen bei der Feier ein Betonbehältnis mit einer Zeitkapsel mit aktuellen Zeitungen. Mit dabei war auch der Architekt des Tiefbahnhofes, Christoph Ingenhoven. Der Bau symbolisiere für ihn den Wechsel von der alten zur neuen Bahn, sagte er. Zudem überwinde Stuttgart damit seinen Ruf als eine allein auf das Auto ausgerichtete Stadt. Grube betonte bei der Grundsteinlegung hingegen: "Das ist ein deutliches Zeichen, dass das Projekt unumkehrbar ist." Stuttgart 21 sei ein "großes Geschenk" an die Stadt.

Rund 200 Menschen protestierten gegen die Feier. Die Gegner plädieren für einen modernisierten Kopfbahnhof. Viele bereits realisierte Bauarbeiten könnten beim Konzept "Umstieg 21" genutzt werden, sagte ein Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21.
2 Kommentare
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 18.09.2016 | 23:39  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 22.09.2016 | 15:41  
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