Flammender Kampf um die Zukunft der Bauern

Wütende Landwirte steckten im Europa-Viertel in Brüssel Heu in Brand. Bild: dpa

Der Preis für Milch ist drastisch gefallen, viele Bauern kämpfen um ihre Existenz. Ihrer Wut lassen Tausende Landwirte bei Protesten in Brüssel freien Lauf. Jetzt macht die EU-Kommission Geld locker.

Mit rund 500 Millionen Euro will die EU-Kommission Milcherzeuger und andere Landwirte vor dem Ruin retten. Das kurzfristig zur Verfügung gestellte Geld könne unter anderem für zinsgünstige Darlehen und die Stabilisierung der Märkte genutzt werden, teilte die Brüsseler Behörde am Montag am Rande eines Krisentreffens mit. Sie reagierte damit auf den drastischen Preisverfall bei Milch und anderen Agrarprodukten wie Schweinefleisch.

In Deutschland stehen viele der rund 80 000 Milchbauern vor dem Aus, weil der Milchpreis zuletzt von rund 40 Cent pro Kilo Rohmilch auf unter 30 Cent gesunken ist und ihre Einnahmen dahinschmelzen. Gründe sind unter anderem das russische Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte infolge der Ukraine-Krise, die gesunkene Nachfrage aus China sowie das Ende der EU-Milchquote. Die Wiedereinführung der Quote steht nach Angaben der EU-Kommission nicht zur Debatte.

Exporthilfen nötig

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte schnelle Entscheidungen gefordert. Man müsse "kurzfristig flüssiges Geld zur Verfügung stellen, wo Not am Mann oder Not an der Frau ist". Zweitens solle die EU-Kommission eine Exportoffensive starten und drittens "den Markt auf richtige Füße stellen." Eine stärkere finanzielle Förderung könne es für die Einlagerung von Milchprodukten - etwa durch Molkereien - geben. Eine Rückkehr zur Milchquote lehnte Schmidt wie sein französischer Amtskollege Stéphane Le Foll ab. Uneinigkeit gab es bis zuletzt aber bei anderen Eingriffsmöglichkeiten.

Wie die Hilfen für die Landwirte genau aussehen sollen, ist nicht nur unter den EU-Staaten, sondern auch unter den Bauernverbänden umstritten. Während der Deutsche Bauernverband finanzielle Soforthilfen und eine europäische Exportoffensive fordert, spricht sich der europäische Milchbauernverband European Milk Board für eine Mengenkürzung aus. Schmidt plädierte für höhere Preise. "Milch ist gegenwärtig billiger als Wasser, das ist nicht in Ordnung. 55 Cent pro Liter ist deutlich zu wenig", sagte der Minister im RBB-Inforadio. Ein Euro pro Liter im Handel sei ein Preis, mit dem auch die Landwirte leben könnten.

Während des Krisentreffens demonstrierten Tausende Landwirte mit Traktoren und Hupkonzerten für eine größere Unterstützung der Politik. Daran beteiligten sich nach Angaben des europäischen Bauernverbandes Copa Cogeca insgesamt 6000 Landwirte mit 2000 Fahrzeugen. Aus der nördlichen und mittleren Oberpfalz waren rund 120 Demonstranten nach Brüssel gereist. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen. Bauern warfen Pflastersteine und Flaschen auf Polizisten, meldete die Nachrichtenagentur Belga. Heuhaufen wurden in Brand gesetzt. Die Polizei setzte Tränengas ein.

"Drosselung der Menge"

Ein Landwirt aus dem Schwarzwald sagte bei der Protestaktion: "Wir brauchen eine Drosselung der Menge. Wir wollen keine Zuschüsse, sondern einfach nur von unserer Milch leben."
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