Folge des Abgas-Skandals
In der VW-Verwaltung stehen Tausende Stellen auf der Kippe

Schwarze Wolken über VW: Der Abgas-Skandal wird vermutlich auch Arbeitsplätze kosten. Archivbilder: dpa (2)
Wirtschaft DE/WELT
Deutschland und die Welt
10.03.2016
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VW-Markenvorstand Herbert Diess, wird vom Betriebsrat kritisiert.

Es gehe nicht an die Substanz der Stammbelegschaft - das war bisher das klare Versprechen des VW-Managements in der Debatte um mögliche Job-Folgen des Abgas-Skandals. Intern wird nun deutlich: Zumindest in der Verwaltung stehen Tausende Haustarif-Stellen auf der Kippe.

Wolfsburg/Herndon. Die finanziellen Folgen der Abgas-Affäre bedrohen bei Volkswagen tausende Stellen in der Verwaltung. Bei den Mitarbeitern im Haustarif soll in den Büro-Abteilungen außerhalb der Produktion nach Informationen aus Konzernkreisen bis Ende 2017 jeder zehnte Job wegfallen. Wegen der laufenden Beschäftigungssicherung müsse allerdings niemand fürchten, arbeitslos zu werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus sicherer Quelle. Der geplante Stellenabbau der Bürokräfte sei über Personalschwankungen, Altersteilzeit oder die Zuweisung neuer Aufgaben für die betroffenen Kollegen möglich. Es dürfte den Angaben aus Unternehmenskreisen zufolge dabei um gut 3000 Stellen gehen.

Ein Konzernsprecher sagte, das bekannte Programm zur Steigerung der Effizienz der Kernmarke VW betreffe alle Bereiche - und damit auch die Personalkosten. Mögliche Wege seien etwa die "Reduktion von Zeitarbeitsverträgen" oder "zurückhaltende Einstellungen und Wiederbesetzung freier Stellen". Es gebe zudem gute Erfahrungen mit Altersteilzeit. Die Aussage des neuen VW-Markenchefs Herbert Diess, dass man "fest zu unserer Stammbelegschaft" stehe, gelte weiterhin. Das Management hatte im Skandal um manipulierte Abgaswerte Rückstellungen von 6,7 Milliarden Euro gebildet. Neben den Kosten des Rückrufs der betroffenen Fahrzeuge dürften zahlreiche Prozesse und Strafen dem Autobauer teuer zu stehen kommen. Zudem will der Vorstand mit einem verschärften Sparkurs gegensteuern, der auch bei Arbeitsplätzen den Rotstift ansetzt.

Osterloh attackiert Diess


Die Marke VW mit Modellen wie Golf und Passat ist im Vergleich zu Branchenkonkurrenten seit Jahren ertragsschwach. Diess hatte bereits angekündigt, sie etwa mit neuen Baureihengruppen umzustrukturieren. Außerdem soll die Effizienz in der Produktion erhöht werden. Betriebsratschef Bernd Osterloh wirft dem Manager nun ein Handeln nach Gutsherrenart vor. Diese im Ansatz schon bekannte Kritik eskalierte am Dienstag während des nicht-öffentlichen Teils der Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk. "Machen Sie die 215 000 Beschäftigten der Marke Volkswagen nicht zu Versuchskaninchen für wirtschaftswissenschaftliche Experimente", sagte Osterloh nach dpa-Informationen.

Zwar sagte Osterloh bei der Versammlung in Bezug auf ein Gespräch mit Diess: "Wir [Herr Diess und ich] sind uns darüber einig, dass sich die Stammbelegschaft keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen muss." Das schließt jedoch einen möglichen Abbau durch Nicht-Nachbesetzung von Stellen oder die Verlagerung von Aufgaben nicht aus. Der oberste Mitarbeitervertreter stellte klar: "Wir werden es nicht zulassen, dass blindwütig und planlos Stellen gestrichen werden." Ein Sprecher des Betriebsrats wollte die Rede am Donnerstag nicht kommentieren.

Woebcken ersetzt Horn


Mitten im Abgas-Skandal muss nach dem Abschied des US-Chefs von Volkswagen der Konzern einen neuen Problemlöser für die Vereinigten Staaten finden. Michael Horn habe das Unternehmen am Mittwoch mit sofortiger Wirkung verlassen, hatte VW mitgeteilt. Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt. Noch immer gibt es keine technische Rückruflösung für die rund 580 000 manipulierten Dieselautos in den USA, welche den Behörden ausreicht. Außerdem drohen wegen der Abgas-Affäre Milliardenstrafen. Der Konzern sieht sich zudem viele Klagen gegenüber.

Übergangsweise soll Volkswagens künftiger Nordamerika-Chef Hinrich Woebcken die Aufgaben von Horn erfüllen. Er muss damit schneller Verantwortung übernehmen als ursprünglich geplant, denn als Leiter der Region Nordamerika (USA, Mexiko, Kanada) ist Woebcken noch gar nicht im Amt. Die Funktion soll er erst Anfang April übernehmen.

Den Kopf hingehalten


Horn hatte den Posten im Januar 2014 übernommen. In die Amtszeit des 54-Jährigen fiel das Bekanntwerden der Affäre um manipulierte Abgaswerte. Der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn war bereits im September zurückgetreten. Wenige Tage zuvor hatte das US-Umweltamt EPA den Skandal öffentlich gemacht. Welche Rolle Horn bei der Entstehung des Skandals spielte, ist unklar. Klar ist, dass Horn in den USA nach dem Skandal den Kopf für den Konzern hinhalten musste.

Der US-Verband der VW-Händler teilte mit, der Wechsel an der Spitze der US-Tochter Volkswagen of America könne das Unternehmen nur noch tiefer in die Bredouille bringen. Es sei Horn gewesen, der nach Ausbruch der Krise Haltung gezeigt und Fehler eingeräumt habe, als sich keine Führungskräfte der Volkswagen AG in den USA hätten blicken lassen. Ein Ende der Krise sei nicht in Sicht und durch den Abgang von Horn werde sich das Verhältnis von Volkswagen zu den Händlern und den US-Behörden weiter verschlechtern.
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