Folge des Abgas-Skandals
VW-Aktionären droht Ausfall der Dividende

Jahrelang brachte der Besitz einer VW-Aktie (im Bild ein sogenanntes Nullstück ohne Stempel und Kontrollunterschrift) eine ordentliche Dividende. Doch damit könnte es vorbei sein. Archivbild: dpa

Die Folgen des Abgas-Skandals dürften auch die VW-Aktionäre zu spüren bekommen. Dass der Konzern angesichts drohender Milliardenkosten weniger zu verteilen hat, ist klar. Fällt die Dividende ganz aus? Allein das Land Niedersachsen hat gut eine Viertelmilliarde Euro zu verlieren.

Wolfsburg. Die VW-Aktionäre müssen angesichts drohender Milliardenstrafen im Abgas-Skandal einen Totalausfall bei der Dividende fürchten. Es stehe noch nichts endgültig fest, "aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", sagte ein VW-Aufsichtsratsmitglied der dpa. Ein VW-Konzernsprecher sagte auf Anfrage lediglich: "Wir werden uns am 28. April im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz zu Details unserer Geschäftszahlen äußern." Der zweitgrößte VW-Aktionär, das Bundesland Niedersachsen, blickt mit Sorge, aber ohne Panik auf einen möglichen Ausfall bei der Dividende des Autobauers. "Es gäbe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Landeshaushalt", teilte die Staatskanzlei mit. Das Land hält jede fünfte VW-Stammaktie, an denen die Stimmrechte und damit die Einflussmöglichkeiten in dem Konzern hängen. Vor einem Jahr hatte Niedersachsen 285 Millionen Euro Dividende eingestrichen.

Insgesamt 2,3 Milliarden


Insgesamt schüttete Volkswagen zuletzt rund 2,3 Milliarden Euro seines Gewinns aus. Größter Anteilseigner ist die Porsche SE, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird. Neben Niedersachsen hält auch der Staatsfonds des Emirats Katar ein großes Aktienpaket. Niedersachsens landeseigene Beteiligungsgesellschaft HanBG, bei der der Großteil des VW-Besitzes liegt, parkte die Dividenden zuletzt. Daher bereitet ein Dividendenausfall, womöglich gar ein Totalausfall, dem Land keine Kopfschmerzen. Schon beschlossene Projekte seien für die Folgejahre durch die vorherigen Dividendenzahlungen "komplett ausfinanziert".

Entscheidend sein dürfte die Höhe der Strafzahlungen, die VW wegen des Abgas-Skandals in den USA wird leisten muss. "Wahrscheinlich wäre ein Wert zwischen 20 und eher 30 Milliarden Euro. Und dann wird es sehr eng für die Dividende", sagte ein VW-Aufsichtsrat. Der Konzern bräuchte in diesem Fall viel Geld, um die Strafen zu begleichen und das laufende Geschäft weiter zu finanzieren. Der Autobauer hat in weltweit elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software versteckt, die Abgastests der Behörden austrickst. Im Realbetrieb blasen die Autos ein Vielfaches an schädlichen Abgasen in die Luft. Die Folgen sind dramatisch. Unter anderem verklagten die USA sowie die US-Handelsbehörde FTC den Autobauer. Es drohen hohe Strafen.

Kritik von der DSW


Aktionärsvertreter sehen den möglichen drohenden Dividenden-Ausfall sehr kritisch. "Sollte Volkswagen einen Überschuss erzielen, wäre eine Reduzierung der Dividende auf null ein Affront", sagte Alexander Richard von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Ohne einen Gewinn wäre ein Dividendenverzicht für die Aktionäre eher nachvollziehbar", betonte er. Die Aktionäre seien nicht an einer "Dividende aus der Substanz" interessiert. Es mache keinen Sinn, wenn der Konzern dafür Schulden aufnehmen müsse. Eine Nullrunde bei der Dividende sei aber für Kleinaktionäre ein Problem. "Viele sind darauf angewiesen."

E-Golf ohne StromIn den USA beginnt die Elektro-Offensive von Volkswagen mit einem Stotterstart: Der Konzern ruft seine E-Golfs wegen der Gefahr von Stromausfällen in die Werkstätten. Das teilte die US-Verkehrsaufsicht NHTSA mit. Es sind zwar nur 5561 Wagen vom Rückruf betroffen. Doch es handelt sich damit um alle bislang in den Vereinigten Staaten verkauften Fahrzeuge des 2015 auf dem US-Markt eingeführten Modells, wie ein VW-Sprecher sagte. Das Problem liege in einem Überlastungsschutz, der zu schnell anspringe und zum Ausfall des Elektromotors führen könne. Der mögliche Defekt betreffe wegen des unterschiedlichen Stromsystems nur die USA. Ein Update der Batterie-Software soll nun Abhilfe schaffen. (dpa)
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