Forschungsprojekt prüft Handy-Chips zur Ortung von Drohnen
Wer ist am Himmel unterwegs?

Im deutschen Luftraum hat sich die Zahl der gefährlichen Annäherungen von Drohnen an andere Luftfahrzeuge verfünffacht. Archivbild: dpa

Langen. Die Deutsche Flugsicherung will die zunehmende Zahl von Drohnen im deutschen Luftraum mit Hilfe der Mobilfunk-Technologie unter Kontrolle bekommen. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom, dem Logistik-Konzern DHL und der Technischen Hochschule Aachen hat die Flugaufsicht (DFS) am Dienstag in Langen bei Frankfurt ein Forschungsprojekt gestartet, bei dem Handy-Chips in die Fluggeräte eingebaut werden sollen. Als "fliegende Mobiltelefone" könnten sie jederzeit geortet und überwacht werden, sagte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle. Die Technik gebe das jetzt schon her und werde auch international von mehreren Telekommunikationsunternehmen verfolgt. Erstes Trägermodell in Deutschland soll der bereits erprobte Paketkopter der DHL werden.

Nur ein Chip?


Die bundeseigene Flugsicherung stellt sich damit in einer Detailfrage gegen das Bundesverkehrsministerium. Dessen Entwurf zu einer Drohnenverordnung sieht statt eines Chips lediglich eine feuerfeste Plakette zur Kennzeichnung der unbemannten Flugobjekte vor. Dabei sei eine zweifelsfreie Registrierung in einem zentralen Verzeichnis der Ausgangspunkt für jede weitere Regulierung der Fluggeräte zum Beispiel in Hinsicht auf Haftpflichtfragen, sagte Scheuerle.

Darin sieht sich die DFS auch einig mit der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA. "Wir als DFS müssen wissen, wer am Himmel unterwegs ist." Im deutschen Luftraum hat sich die Zahl der gefährlichen Annäherungen von Drohnen an andere Luftfahrzeuge verfünffacht. Es habe in diesem Jahr bislang 61 Meldungen gegeben, teilte die Flugsicherung mit. Im Vorjahreszeitraum hatte es lediglich 12 Fälle gegeben. Am Montag war eine 1,7 Kilogramm schwere Drohne im Münchener Olympiapark abgestürzt und nur wenige Meter neben einer Familie mit zwei Kindern aufgeschlagen.

Abgestufter Führerschein


Die Flugsicherung müsse die Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig der neuen Technologie die Tür aufstoßen, sagte Scheurle. Dafür müssten die Drohnen in die bestehende Luftraumordnung eingefügt werden, was wiederum eine Möglichkeit zur elektronischen Ortung voraussetze. Außerdem tritt die DFS für einen abgestuften Drohnen-Führerschein ein. Schon ab einem Startgewicht von 250 Gramm solle ein Sachkundenachweis verlangt werden, der möglicherweise online abgelegt werden könne.
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