Fränkischer Adeliger und Unternehmer
Der Herr der Stifte ist tot

Im Sommer 2011 feierte Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell das 250-jährige Bestehen des Schreibwarenherstellers. Nun ist er im Alter von 74 Jahren gestorben. Archivbild: dpa
 

Eloquent, weltgewandt und stilsicher war er das Gesicht der Stiftemarke Faber-Castell. Die lange Tradition des Unternehmens war für ihn Verpflichtung und Ansporn zugleich. Nun ist Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell gestorben.

Stein. Es gibt wohl niemanden in Deutschland, der nicht schon einmal einen Bleistift oder Textmarker aus dem Hause Faber-Castell in der Hand gehalten hätte. Dennoch hat Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell die Bodenhaftung nie verloren. Stattdessen arbeitete er konsequent und auch im Rentenalter mit großem Einsatz für den Erfolg des Traditionsunternehmens. Nach schwerer Krankheit ist der Vorstandsvorsitzende der Faber-Castell AG nun am Donnerstag in Houston (USA) gestorben, wie eine Firmensprecherin in Stein bei Nürnberg am Freitag mitteilte. Er wurde 74 Jahre alt.

Geboren wurde Graf von Faber-Castell am 7. Juni 1941 in Bamberg. Nach dem Schulbesuch in der Schweiz schloss er ein Jura-Studium an der Universität Zürich an. "Mit Jura macht man nie etwas verkehrt", erläuterte er diese Wahl einmal der Deutschen Presse-Agentur. Seiner Karriere hat sie jedenfalls nicht geschadet: Sechs Jahre lang war er als Investmentbanker in London und New York tätig, bevor er - in achter Generation - in das Familienunternehmen eintrat. 1978 wurde er alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der Faber-Castell-Gruppe und später mit der Umwandlung in eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft deren Vorstandsvorsitzender. "Ich fand es immer interessant, Erfahrungen im Ausland zu sammeln", resümierte Graf von Faber-Castell. "Das halte ich auch für meine Kinder für wichtig."

Ein Sohn, drei Töchter


Er hinterlässt neben seinem Sohn aus erster Ehe drei Töchter aus der Beziehung mit seiner Frau Mary. Während seine jüngsten Töchter - Zwillinge - mit 19 Jahren noch an der Schwelle des Erwachsenenlebens stehen, ist sein Sohn Charles schon Mitte Dreißig. Der frühere Investmentbanker ist vor zwei Jahren in das Unternehmen eingetreten. Im November stieg zudem Ehefrau Mary von der Geschäftsführung der Kosmetiksparte in den Vorstand der AG auf, wo auch ein Bruder des Verstorbenen tätig ist.

Was uns davor bewahrt hat unterzugehen, ist nicht der Glaube an revolutionäre Innovationen, sondern das Besinnen auf Kernwerte und Kernkompetenzen nach dem Motto "Schuster, bleib' bei Deinen Leisten".Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell

Graf von Faber-Castell hat sich stets gewünscht, dass das Unternehmen nach seinem Tod in der Hand der Familie bleibt. Dennoch holte er seine Kinder bewusst nicht in jungen Jahren in den Betrieb. "Das ist eine Grundregel bei uns, das man erst mal selbstständig sein muss, bevor man ins Unternehmen kommt." Bei der Erziehung seiner Kinder habe er immer darauf geachtet, sie in Normalität aufwachsen zu lassen und zu Bescheidenheit, Toleranz und Zivilcourage zu erziehen. Niemand dürfe sich als etwas Besseres fühlen, nur weil er privilegiert sei, betonte Graf von Faber-Castell. "Letzten Endes zählt der Charakter, und dass man auf eigenen Füßen steht und Leistung zeigt."

Hohe Ansprüche stellte Graf von Faber-Castell auch an sich und seine Arbeit. Im Gespräch höflich und aufmerksam, fehlte dem hochgewachsenen Mann mit dem weich fallenden Silberhaar dabei nie das Einstecktuch zu Anzug und Krawatte - ein Ästhet, der Wert auf Stil legte. Das spiegelte sich auch in seinen Hobbys wieder. Neben Tennis und Skifahren sammelte Graf von Faber-Castell schon als junger Mann Kunst, vor allem zeitgenössische Zeichnungen. Er selbst zeichne allerdings höchstens in langweiligen Besprechungen auf den Rand seiner Unterlagen, gestand er einmal.

Neues Leben im Schloss


Dafür steckte er viel Energie in den Erhalt des Familienerbes. Das Schloss in Stein an der Stadtgrenze zu Nürnberg weckte er aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf und ließ es renovieren. Zum 250. Firmenjubiläum im Jahr 2011 wurden die teils vom Jugendstil-Innenarchitekten Bruno Paul entworfenen und eingerichteten Räume mit einer Ausstellung zur Firmen- und Familiengeschichte für Besucher geöffnet.

Graf von Faber-Castell feierte im selben Jahr seinen 70. Geburtstag - für ihn noch lange kein Grund zum Rückzug auf den Alterssitz. "Ab 90 arbeite ich halbtags", kündigte der "Ökomanager des Jahres 2008" damals schmunzelnd an. Den Titel hatte der Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse verliehen bekommen, weil er in seinen brasilianischen Holzplantagen ein großangelegtes Aufforstungsprojekt startete und umweltfreundliche Lacke einführte.

Nachhaltiger Ertrag


Durchaus bewusst inszenierte sich Graf von Faber-Castell als werteorientierter Familienunternehmer aristokratischer Abstammung, um so der Marke ein werbekräftiges Gesicht zu verleihen. Entscheidend für das Überdauern des Unternehmens sei aber letztlich etwas ganz Banales, schrieb er 2014 in einer Festschrift: "Was uns davor bewahrt hat unterzugehen, ist nicht der Glaube an revolutionäre Innovationen, sondern das Besinnen auf Kernwerte und Kernkompetenzen nach dem Motto "Schuster, bleib' bei Deinen Leisten"." Wieder und wieder betonte Graf von Faber-Castell: "Ich halte nichts von kurzfristigem Profitstreben." Nur nachhaltiger Ertrag bringe langfristigen Erfolg.

Die Entwicklung scheint ihm recht zu geben: Nachdem das Unternehmen mit den kämpfenden Rittern im Logo in den zurückliegenden Jahren mit Marktrückgängen und Währungsschwankungen zu kämpfen hatte, wird für das im März ablaufende Geschäftsjahr ein Rekordumsatz von rund 600 Millionen Euro erwartet. Zum Ertrag macht das Unternehmen traditionell keine Angaben.
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