Frauenquote Chefinsache

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kämpft als Schirmherrin der Initiative "Chefsache" für ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen. Bild: dpa

Schlechte Bilanz für börsennotierte Unternehmen - zumindest wenn es um den Frauenanteil geht: Lediglich 5,4 Prozent der Vorstandsposten sind mit Frauen besetzt. Kanzlerin Merkel fordert ein Umdenken.

Angesichts des geringen Frauenanteils in Chefetagen hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein gesellschaftliches Umdenken angemahnt. Das Thema sei viel zu lange aus der Perspektive diskutiert worden "Was müssen wir mit den Frauen machen?", sagte Merkel am Montag in Berlin. Wichtig sei aber auch zu fragen: "Was müssen wir mit den Männern machen?" - nicht nur, damit diese offener für mehr Vielfalt seien, sondern auch, damit sie einige der Aufgaben übernehmen könnten, die bisher hauptsächlich Frauen ausgeübt hätten.

Der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen in Deutschland geht weiter zurück. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), über die zuerst die Zeitung "Die Welt" berichtete. Demnach sind lediglich 36 der insgesamt 667 Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Das entspricht einem Anteil von 5,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es 5,55 Prozent, 2013 noch mehr als 6 Prozent. Untersucht wurden 160 Firmen aus den Börsenindizes Dax, MDax, SDax und TecDax.

Männliche Monokulturen

"In den Vorstandsetagen hat sich unter dem Strich bislang wenig getan: Sie bleiben männliche Monokulturen", sagte Ana-Cristina Grohnert von EY einer Mitteilung zufolge. Allerdings vollziehe sich ein "Mentalitätswandel". Immer mehr Unternehmen arbeiteten intensiv daran, dass mehr Frauen die Türen zu Führungestagen geöffnet würden. Lediglich die Dax- und SDax-Unternehmen steigerten ihren Frauenanteil. Die im Frühjahr gesetzlich festgelegte Frauenquote von 30 Prozent gilt lediglich für die Aufsichtsräte der 100 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland und tritt 2016 in Kraft.

Merkel ist Schirmherrin der neuen Initiative "Chefsache", die sich für ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen einsetzen will. Unter den elf Gründern sind etwa das Verteidigungsministerium und der Technikkonzern Bosch, aber auch der Deutsche Caritasverband und die Wochenzeitung "Die Zeit". Idee ist, das Thema in der eigenen Organisation zur Chefsache zu machen.

Merkel sagte weiter, das Modell der Elternzeit auch für Männer habe sich als "extrem segensreich" herausgestellt. "Aber vielleicht ist das noch nicht alles." In Deutschland sei womöglich noch etwas stärker als in anderen Ländern der Gedanke verankert, dass zum Chefsein unbedingte Verfügbarkeit dazugehöre. Dabei sei es genauso gut vorstellbar, auch anspruchsvolle Aufgaben in Teilzeit zu machen.

"Frauen flexibler"

Sie bedauere auch, dass hierzulande die Karriereplanung früh abgeschlossen sei. Wer es mit zehn Jahren Verspätung versuche, habe kaum noch eine Chance. Die Kanzlerin: "Gerade Frauen, die sehr viel Erziehungsarbeit geleistet haben, sind sehr viel flexibler als Männer, die sie in Abenteuercamps geschickt haben."
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