Für die Autohersteller wird das Wirtschaftsjahr 2015 kein Selbstläufer - Heute beginnt in ...
Auf dem langen Highway in Richtung Zukunft

Die North American International Auto Show in Detroit (US-Bundesstaat Michigan) ist die erste große Automesse im Jahr. Archivbild: dpa
Zum Start ins neue Jahr greifen die Autobauer regelmäßig tief in die Trickkiste. Um Fachwelt und Kunden zu begeistern, ließ Audi einen selbstständig fahrenden A7 rund 900 Kilometer weit durch Kalifornien bis zur CES-Messe nach Las Vegas pflügen. Dort rollte Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem Entwurf für das Fortbewegungsmittel von morgen - mehr Lounge als Auto - auf die Bühne. Touchscreens und technische Spielereien schmückten die Wagen auf den Ständen der großen Hersteller. Dabei ist die CES eigentlich gar keine Messe der PS-Branche.

USA und China

Deren erste Schau beginnt heute mit der North American International Auto Show in der US-Auto-Hochburg Detroit. Doch während die einstige Millionenmetropole in der Finanzkrise zur Geisterstadt verkam und ein Symbol für den zeitweisen Niedergang der US-Autoindustrie wurde, verschob sich auch das Gleichgewicht der Messen: Die vermeintlich goldene Zukunft mit Elektroantrieb und Autopilot wird im frühlingshaften Las Vegas präsentiert - die Gegenwart ist im verschneiten Detroit bei Minusgraden zu sehen. Dort müssen die Konzernchefs erklären, wie sie heute das Geld für die Technologien von morgen verdienen wollen. Und ein Blick auf die weltweite Konjunktur zeigt: Das wird dieses Jahr kein Selbstläufer. Insgesamt könnte der Weltmarkt nach Zahlen der Wirtschaftsprüfer und Berater von KPMG 2015 nur um rund drei Prozent wachsen.

Bestes Jahr seit 2005?

Wer kräftiger zulegen will, muss der Konkurrenz Kunden abjagen - und vor allem in China sowie den USA gut aufgestellt sein. Die beiden weltgrößten Märkte dürften nach Berechnungen von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer 2015 etwa 70 Prozent des gesamten Wachstums ausmachen. Zusammen stehen die größten Wirtschaftsnationen für fast die Hälfte aller verkauften Autos.

Dabei müssen sich selbst erfolgsverwöhnte Hersteller in China von den astronomischen Wachstumsraten der letzten Jahr verabschieden. Volkswagens Hausmarke erlebt dort zum Jahresende Stagnation bei den Verkaufszahlen, und der weltgrößte Oberklassehersteller BMW stritt mit chinesischen Händlern um Bonuszahlungen von Hunderten Millionen Euro.

In den USA läuft es für die deutschen Hersteller hingegen rund - außer für Volkswagen: Die Hausmarke des Branchenriesen verkaufte 2014 nur noch knapp 367 000 Autos in dem Mega-Markt, zehn Prozent weniger als 2013. Hingegen blicken Daimler, BMW, Porsche und Audi auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Zusammen verkauften sie 925 000 Neuwagen in den USA und steigerten ihren Marktanteil von 5,4 auf 5,6 Prozent, rechnet Dudenhöffer vor. Er ist überzeugt, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird: "Die Premiumhersteller gewinnen auch im Jahr 2015 in den USA Marktanteile und Verkäufe."

Der US-Automarkt insgesamt dürfte 2015 jedenfalls erneut zulegen. Die Experten des Onlineportals True Car erwarten ein Plus von mindestens 2,6 Prozent auf 17 Millionen verkaufte Neuwagen. Damit wäre 2015 das beste Jahr seit 2005. Denn die US-Wirtschaft brummt, und die Zinsen sind im Keller. Das erleichtert die Finanzierung des Neuwagens.
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