Funk unterm Hammer

Die Bundesnetzagentur versteigert Frequenzpakete von ungenutzten Frequenzbereichen. Zugelassen zur Auktion wurden nur die drei größten Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica (O2). Bild: dpa

Das schnelle mobile Internet soll bald überall in Deutschland verfügbar sein - keine weißen Flecken mehr auf dem Land. Das sollen neue Frequenzen sicherstellen, die jetzt versteigert werden.

Musik, Filme und Fernsehen aus dem Internet - schnelle Netze werden zum Rückgrat der digitalen Gesellschaft. Doch mit dem zunehmenden Datenverkehr drohen Engpässe. Mobilfunk-Konzerne investieren deshalb massiv in die Modernisierung und den Ausbau ihrer Infrastruktur.

Grundlage dafür sind Funkfrequenzen, die die Bundesnetzagentur den Betreibern zur langfristigen Nutzung zur Verfügung stellt. In Mainz wird seit Mittwoch um ein großes Paket gefeilscht. Hier einige Fragen und Antworten zum Thema:

Warum brauchen Mobilfunkbetreiber Frequenzen?

Der Mobilfunk überträgt Daten und Telefonate nicht über feste Leitungen, sondern von jedem Standort aus mobil drahtlos in die Netze. Dabei müssen bestimmte Frequenzen genutzt werden. Aber nicht nur Mobilfunker, auch Rundfunk, Militär und Polizei benötigen zur Sendung von Programmen und zur Kommunikation untereinander Funkfrequenzen. Die Bundesnetzagentur verwaltet diese und achtet darauf, dass sich die Nutzer nicht in die Quere kommen.

Welche Frequenzen kommen aktuell in die Auktion?

Als besonders begehrt gelten die Funkfrequenzen aus dem 700-Megahertz-Bereich. Sie eignen sich vor allem für den Ausbau der Netze auf dem Land, sprich zur Abdeckung der noch vorhandenen weißen Flecken. Derzeit wird dieser Bereich noch vom Rundfunk belegt. Durch die Umstellung des digitalen Antennenfernsehens auf den Standard DVB-T2 wird der Bereich schrittweise frei. Hinzu kommt die Verlängerung der abgelaufenen GSM-Frequenzen von 900 und 1800 Megahertz sowie 1500-Megahertz-Frequenzblöcke.

Welche Unternehmen bieten mit?

Zugelassen zur Versteigerung sind die Deutsche Telekom, Telefónica (O2) sowie Vodafone Deutschland. Kleine Anbieter und potenzielle Neueinsteiger wurden entweder abgewiesen oder verzichteten angesichts der Hürden wie unter anderem die hohen Mindestgebote auf eine Teilnahme.

Könnte der Ausschluss von Neueinsteigern den Bietprozess hemmen?

Im Prinzip ja. Im Vorfeld der Versteigerung wurde vor allem von kleinen Anbietern das Design der Auktion heftig kritisiert. Die potenziellen Neueinsteiger forderten eine Reservierung von Frequenzen, um überhaupt eine Chance gegen die Platzhirsche in dem Bietprozess zu haben. Das lehnte die Bundesnetzagentur bisher ab.

Wie hoch werden die Auktionserlöse ausfallen?

Die Mindestgebote aller angebotenen Funkfrequenzen belaufen sich auf eine Summe von knapp 1,5 Milliarden Euro. Experten gehen aber davon aus, dass am Ende der Versteigerung ein deutlich höherer Betrag stehen wird. Vor fünf Jahren hatten die Unternehmen 4,4 Milliarden Euro für neue Mobilfunkfrequenzen auf den Tisch geblättert. Unerreichbar bleiben die umgerechnet 50,8 Milliarden Euro, die die spektakuläre UMTS-Auktion im Jahr 2000 eingespielt hatte.

Was soll mit den Auktionserlösen geschehen?

Nach bisherigen Plänen soll ein Teil der Auktionserlöse, die anteilig auf Bund und Länder verteilt werden, zur weiteren Förderung des Breitbandausbaus in Deutschland wie zum Beispiel dem Einsatz von Glasfaser eingesetzt werden. Details dazu sollen aber erst nach der Versteigerung vorliegen.
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