Fusions-Aus und Insidervorwürfe
Börse kämpft um Vertrauen

Frankfurt. Nach der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse bleibt die Zukunft von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter offen. Zwar sprach Aufsichtsratschef Joachim Faber dem unter dem Verdacht des Insiderhandels stehenden Manager am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Frankfurt erneut das Vertrauen des Kontrollgremiums aus. Eine Verlängerung von Kengeters Vertrag, der am 31. März 2018 ausläuft, ist jedoch offen. Kritischster Punkt nach Einschätzung von Aktionärsvertretern: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Ob diese in eine Anklage münden, ist ebenfalls offen.

Kengeter hatte im Rahmen eines vom Aufsichtsrat für ihn maßgeschneiderten Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später machten Deutsche Börse und London Stock Exchange Fusionsgespräche öffentlich. Im März 2016 gaben die Unternehmen Weichenstellungen zu Sitz und Personalien für das geplante Gemeinschaftsunternehmen bekannt. "Dass das Timing des Erwerbes möglicherweise suboptimal war, ist ein Vorwurf, den Sie sich gefallen lassen müssen", sagte Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger zu Kengeters Aktiengeschäft.

Das Projekt, das die Deutsche Börse inklusive Rückabwicklung 76,5 Millionen Euro kostete, ist mittlerweile beerdigt. Im März untersagten die EU-Wettbewerbshüter die Fusion, die seit dem Votum der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) im Juni 2016 tot war.
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