Gabriel: kein Grund zur Panik

Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Nun hat auch die schwarz-rote Bundesregierung die Prognose für das Wachstum drastisch nach unten korrigiert. Gerät Europas Musterschüler in Sachen Wirtschaft ins Straucheln?

Die Bundesregierung muss ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum drastisch nach unten korrigieren. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem außenwirtschaftlich schwierigen Fahrwasser", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Dienstag in Berlin bei der Bekanntgabe der Herbstprognose der Regierung. Sie geht für 2014 nur noch vom einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent aus - im Frühjahr hatte die Regierung noch mit 1,8 Prozent gerechnet. 2015 soll die gesamte Wirtschaftsleistung nur um 1,3 Prozent statt - wie bislang angenommen - um 2,0 Prozent zulegen.

Gabriel betonte, die Binnennachfrage sei intakt, der Arbeitsmarkt robust. 2015 werde mit 42,8 Millionen Erwerbstätigen voraussichtlich wieder ein Beschäftigungsrekord erreicht. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer würden 2014 um 2,6 Prozent und im kommenden Jahr um 2,7 Prozent zunehmen.

Forderungen - auch von den SPD-Linken - nach mehr staatlichen Investitionen, um die Wirtschaft zu stützen, erteilte der SPD-Chef eine klare Absage. Weiter sagte Gabriel, es gebe keinen Grund, den wirtschafts-, finanz- oder sozialpolitischen Kurs zu verlassen oder zu verändern. Die deutsche Wirtschaft werde die Schwächephase überwinden. Die sogenannte Herbstprojektion der Bundesregierung ist Grundlage für die Steuerschätzung im November sowie für die Haushaltspläne von Bund, Ländern und Kommunen.

ZEW-Index geht zurück

Unter deutschen Finanzmarkt-Experten haben wieder die Pessimisten die Oberhand gewonnen. Die Talfahrt der Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) setzte sich im Oktober fort. Der ZEW-Index fiel laut Mitteilung vom Dienstag im Vergleich zum Vormonat um 10,5 Punkte auf minus 3,6 Zähler. Damit rutschte das Stimmungsbarometer erstmals seit November 2012 in den negativen Bereich. Die vom ZEW befragten Analysten gehen mittelfristig von einer schlechteren wirtschaftlichen Lage aus. Auch die aktuelle Wirtschaftslage wird im Oktober deutlich negativer bewertet. Die Beurteilung fiel um 22,2 Punkte auf 3,2 Punkte.
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