Gasmarkt mit Ventil

Eine Gas-Pipeline im russischen Sudzha. Der Gaspreis hat sich vom Ölpreis entkoppelt. Archivbild: dpa

Die Gaspreise folgten über Jahrzehnte mit einem halben Jahr Verzögerung den Ölpreisen. Das ist vorbei. Der Gasmarkt ist unabhängig geworden. Der Winter meinte es unterdessen gut mit den Verbrauchern.

Öl wird billiger, Gas dagegen nicht. Die Gaspreise in Deutschland bewegen sich kaum. Bislang haben nur wenige der mehr als 700 Gasversorger in Deutschland Preissenkungen angekündigt oder umgesetzt. Das ergaben Umfragen und Erhebungen des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID sowie mehrerer Verbraucher- und Vergleichsportale im Internet. Der Verbraucherpreisindex Gas des Portals Verivox weist einen Durchschnittspreis von 6,45 Cent pro Kilowattstunde (kWh) bei einem Jahresverbrauch von 20 000 kWh aus. Das ist unwesentlich weniger als in den vergangenen drei Jahren. Verglichen mit dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres ist Gas um etwa zwei Prozent billiger geworden.

Bis vor wenigen Jahren gab es einen engen Zusammenhang zwischen Öl- und Gaspreisen, der in den Lieferverträgen der Gasversorger verankert war. Die Gaspreise folgten den Ölpreisen mit einem zeitlichen Abstand von sechs Monaten. Ungefähr seit 2010 hat sich dieser Zusammenhang immer weiter gelockert. "Für den Verbraucher ist es letztlich besser, wenn diese unnatürliche Preisbindung zu Ende geht", sagte Florian Krüger von Verivox. Es gebe nun einen eigenen Gasmarkt mit Wettbewerb, der auch bei Ölpreissteigerungen nicht mehr mitziehe. Davon hätten die Besitzer von Gasheizungen in den vergangenen Jahren profitiert, indem sie 20 Prozent günstiger heizen konnten als mit einer Ölheizung. Nun habe sich die Preisschere wieder geschlossen. Für die Endverbraucherpreise beim Gas haben die Handelspreise in Euro einen wesentlichen Einfluss. Diese Preise gingen im letzten Quartal des vergangenen Jahres deutlich zurück, von ungefähr 24 auf 20 Euro je Megawattstunde (MWh). In diesem Jahr ging es mit den Preisen jedoch wieder aufwärts in den Bereich von 22 Euro je MWh.

"Die Marktteilnehmer sehen einige Unsicherheiten", sagte Rainer Wiek vom EID. So müssten nach dem Winter die Speicher in der EU wieder gefüllt werden. Dazu kommen Produktionskürzungen in den Niederlanden nach einem Erdbeben, die unklare Lage in der Ukraine und die Frühjahrswartungen an den Förderanlagen in Norwegen. "Dennoch sehen mittelfristig die meisten Analysten, dass sich der Abwärtstrend bei den Preisen fortsetzt und damit auch die Preise für Haushaltskunden sinken sollten", sagte Wiek.

Zum Ausklang der Heizperiode zeichnet sich unterdessen eine verbraucherfreundlicher Wetterverlauf ab. Zwar waren der Dezember und der Februar deutlich kühler als zwölf Monate zuvor, doch insgesamt war der Winter relativ mild. Der Energiebedarf der Haushalte dürfte nach einer Musterrechnung zwischen Anfang Oktober bis Ende März um etwa fünf Prozent höher liegen als in der vorangegangenen Heizperiode, teilte Verivox mit. Das gilt für den deutschen Durchschnitt, regional können die Temperaturen durchaus deutlich abweichen. Auch ist die Heizperiode noch nicht ganz zu Ende. Es können noch kühle Wochen kommen.
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